Teuerste Hitzeinsel der Stadt: Autobahnkreuz vernichtet Boden, Bäume und Kühlung
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Das geplante Autobahnkreuz der A26 zerstört gesunden Boden, große Bäume und jahrzehntelange Kühlleistung im Bergschlössl- und Ziegeleipark. Der Schaden ist mit bis zu 100 Mio. € gewaltig. Stadtentwickler Potocnik fordert: „Diese Millionen müssen den Linzer:innen ersetzt werden – es braucht echten Schadensersatz in Form neuer Parks und Bäume.“

Das ist bald ein Bild für die Geschichtsbücher: Der idyllische Bergschlösslpark im Herbst 2025. Foto: Erich Gusenbauer
Die von der ASFINAG geplante Autobahnkreuzung bei der Ziegelei- und Waldeggstraße wird zur ökologischen Katastrophe. Auf einem Areal von 40.000 m2 werden Parks und Böden zerstört, große und gesunde Bäume gefällt und der Grundwasserspiegel gesenkt. Monetarisiert schlägt sich der Gesamtschaden mit bis zu 100 Millionen Euro nieder. „Dafür ist die ASFINAG als Verursacher verantwortlich. Und diese Verantwortung lässt sich klar beziffern“, sagt Stadtentwickler Potocnik.
Allein der Verlust von rund 240 großen Bäumen entspricht einem Schaden von bis zu 16 Millionen Euro. Ihre Kühlleistung, nachgewiesen in wissenschaftlichen Studien, hat einen jährlichen Wert von fast 4 Millionen Euro. Durch die lange Bauzeit und die erst nach vielen Jahren wirksamen Neupflanzungen gehen Jahrzehnte Kühlung verloren. Schaden: über 75 Millionen Euro.
Hinzu kommen 7,2 Millionen Euro zerstörter Bodenwert im Bergschlössl- und Ziegeleipark. Das sind Flächen, deren Verlust sich stadtklimatisch nicht reparieren lässt. “Das ist kein zu billigender Kollateralschaden, sondern ein schwerwiegender Eingriff in die Lebensqualität der Linzer:innen,” so Potocnik. “Da helfen keine Pseudo-Kompensationen wie Biotope oder Nachpflanzungen am Stadtrand “, prangert Potocnik an. „Was es braucht, ist ein lokal wirksamer Schadensersatz, das heißt, neue Parks und neue Bäume im näheren Umfeld.“
LinzPLUS fordert daher eine monetäre Schadensbewertung durch ein unabhängiges Forschungsinstitut. Dieses Gutachten ist dann Grundlage für echte Kompensation durch die ASFINAG. Potocnik: “Linz hat damals die 5% Kostenbeteiligung verhandelt und die realen Schäden dabei völlig ignoriert. Jetzt ist aber 2025 und es gibt neue Erkenntnisse und ein neues Bewusstsein.“, betont Potocnik. „Um unser Stadtklima zu verbessern, müssen wir unsere funktionierenden Ökosysteme schützen. Wenn man sie trotzdem zerstört, muss der Verursacher den Schaden angemessen ersetzen.“
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Download Antrag
Hier der gesamt Antragstext, Vorsicht laaaaaang!:
Die ASFINAG plant eine gewaltige Autobahnkreuzung im Bereich der Ziegelei- und Waldeggstraße. Insgesamt wird diese rund 40.000 m2 groß. Neue Straßen sowie Tunnels und deren Ein- und Ausfahrten fressen sich in den Bergschlössl- und Ziegeleipark, vernichten viel gewachsenen Boden und bestehende große Bäume und beschädigen den bestehenden Grundwasserspiegel.
Spätestens jetzt muss allen, die sich noch nicht so genau damit beschäftigt haben, klar werden, wie monströs diese Anlage wird, wie lange die Baustelle dauern und wie gewaltig der Schaden für die Linzer:innen und die Entwicklung unserer Stadt insbesondere die angrenzenden Viertel wird.
Eine Schadensbemessung gibt es nicht. Einen Schadensersatz, der lokal und für die Stadt Linz wirksam wäre, ebenfalls nicht. Denn Nachpflanzungen in 10 Jahren oder ‘Ausgleichsmaßnahmen’ am Stadtrand, im Umland oder irgendwo in Oberösterreich können den Schaden ökologisch, stadtklimatisch und gesellschaftlich nicht annähernd ausgleichen.
Der enorme Schaden dieser Autobahnkreuzung mitten in der Stadt entsteht durch:
Verlust von gewachsenem, gesundem Boden
Versiegelung, neue Hitzeinsel
Verlust von Kühlleistung
Verlust von großen Bäumen
beschädigter Grundwasserspiegel durch Tunnelbau (führt zu einem langsamen Tod vieler nicht sofort betroffener Bäume)
Verlust von Zeit in Zusammenhang mit stadtklimatischer Wirkung (lange nicht wirksame Jungbäume, die erst nach Fertigstellung gepflanzt werden können)
10 Jahre Baustelle
Eine monetäre Bewertung dieser Schäden ist nur annähernd und schätzungsweise möglich, aber unbedingt notwendig, um entsprechenden Schadensersatz durch die Verursacherin, die ASFINAG, zu erreichen.
A) Annäherung an die Schäden durch Rechenbeispiele und Bewertungssysteme
Kosten-Nutzen-Analyse von Straßenbäumen
Ein Factsheet zu einer Kosten-Nutzen-Analyse von Straßenbäumen in Bremen aus dem Jahr 2020 bewertet den monetären Nutzen von 1.400 neuen Straßenbäumen bis 2050 mit bis zu 107 Millionen €. Dies ergibt sich durch ihre positive Wirkung auf den Lebensraum, vermiedene Schäden durch den Klimawandel und vermiedene Gesundheitsschäden.
→ Nach dieser Bewertung hat jeder 30-40 Jahre alter Baum mit gutem Boden einen Wert von 76.500 €. Demnach haben die 240 Bäume, die durch das Autobahnkreuz fallen, einen monetären Nutzen in Millionenhöhe, nämlich 18.360.000 €.
Ulrich Schuster, Landschaftsarchitekt aus Stuttgart (Plankontor S1), hat die Leistung eines Baumes im Zuge einer Projektplanung für Schwäbisch Gmünd im Jahr 2022 berechnet:

→ Vorausgesetzt, dass jeder der 240 der A26 zum Opfer fallenden Bäume im Schnitt 50 Jahre alt ist, ist ihr Wert 7.920.000 €. Dieser Wert beinhaltet ‘nur’ den Bestand und nicht die Zukunft. In Anbetracht des aktuell noch ausgezeichneten, gewachsenen Bodens steht all diesen Bäumen noch ein gesundes Wachstum bevor. Diese Zukunft mit 50 Baumjahren pro Baum mit eingerechnet ergibt eine Summe von 15.840.000 €
In derselben Bewertung hat Ulrich Schuster auch die Kühlleistung eines Baumes monetarisiert.
Die wesentlich wirksamen Leistungen eines Stadtbaumes sind Kühlung, Frischluftproduktion und Wasserspeicherung. An den Spaltöffnungen der Blätter verdunstet durch Photosynthese Wasser, was zur Folge hat, dass der Umgebung Wärme entzogen wird. Dadurch entsteht innerhalb der Baumkrone ein Kühleffekt. Da kühle Luft schwerer ist, sinkt diese ab und bewirkt unter dem Baum eine Abkühlung. Die Kühlwirkung von Bäumen ist in der “Fachplanung Hitzeminderung“, publiziert 2020 von der Stadt Zürich, mit mehreren Simulationsberechnungen nachgewiesen. Die deutlichste Kühlleistung von maximal 8,7° entstand dabei bei Bäumen, die in Rasenflächen stehen.
Da die Bäume mit zunehmendem Alter größer und damit auch der Kronenumfang zunimmt, nehmen auch die jährlichen Leistungen hinsichtlich Kühlung, Frischluftproduktion und Wasserspeicherung zu. Daraus lässt sich ein monetärer Wert ableiten. Ende 2019 konnte im “Forschungsprojekt Klimaerlebnis Würzburg” Klimaerlebnis Würzburg: Das Projekt die Jahreskühlleistung eines jungen Baumes und die Jahreskühlleistung eines ausgewachsenen Baumes abgerufen werden. In 30 Jahren Baumwachstum erhöht sich dabei die jährliche Kühlleistung um 1.230 kWh.

→ Nach dieser Bewertung haben die 240 Bäume eine jährliche Kühlleistung von 11.736.000 kWh. Das entspricht einem monetären Wert - wieder pro Jahr - von 3.790.560€.
Durch die Fällung, den Zeitverlust der 10 jährigen Baustelle und die lange stadtklimatisch fast wirkungslose Zeit der Nachpflanzungen ergeben sich mehrere Jahrzehnte des Verlusts von Kühlleistung. Bei 20 Jahren Verlust von Kühlleistung eines 50-jährigen Baumes entsteht ein Wert von 75.811.200 €. Dieser Wert wird noch deutlich höher, wenn die verlorene Kühlleistung der großen und älter werdenden Bestandsbäume bzw. die neue Hitzeinsel/ Versiegelung gewertet wird.
Bäume nach dem Schwammstadtprinzip
Jährlich gibt Linz viel Geld aus, um neue Bäume im öffentlichen Raum zu pflanzen. Pro Stück kann für die Pflanzung eines Baumes nach dem „Schwammstadtprinzip“ mittlerweile zwischen 20.000 bis 30.000 € gerechnet werden. Dabei kostet der Baum und die Pflanzung selbst nur einen Bruchteil. Der größte Teil (ca. 90%) geht auf den Untergrund, sprich die Aufbereitung des Bodens als ‘Schwammstadt’, der es einem Baum in einer Straße überhaupt ermöglicht über Jahrzehnte zu wachsen und eine Lebenserwartung zu erreichen, die den Baum ab 20, besser 50 und mehr Jahren stadtklimatisch wirksam machen. Hier vernichten wir wertvolle Bäume und Böden, ein stadtklimatisch wirksamer Ersatz muss also voraussichtlich in schwierigem Umfeld erfolgen. Das ist entsprechend teuer.
→ Nach diesen Überlegungen und städtischen Erfahrungen mit dem Schammstadtprinzip ist daher mit hohen Kosten für angemessene Ersatzpflanzungen im lokalen Umfeld (Straßenraum) zu rechnen. 240 Bäume nach diesem Prinzip - z.B. im Stockhofviertel, am Froschberg oder dem Bahnhofsviertel zu pflanzen erfordert rund 7.200.000 €
Bodenverlust im städtischen Kontext
Das Autobahnkreuz nimmt rund 40.000 m2 Fläche in Anspruch.
Im Vergleich zur Ist-Situation wird ein großer Teil der Fläche durch neue Straßen und technische Bauten versiegelt oder untertunnelt. Insgesamt gehen so rund 24.000 m2 Boden (das ist so groß wie die Grünflächen des Volksgartens!) entweder komplett verloren oder verlieren ihren ökologischen, stadtklimatischen Wert, da die Überdeckung, der Untergrund bzw. der abgesenkte Grundwasserspiegel ein gesundes Wachstum von großen, kühlenden Bäumen nicht mehr ermöglicht.
Im Bergschlösslpark gehen rund 11.000 m2, im Ziegeleipark rund 13.000 m2 gesunder Boden verloren.
→ Dieser Verlust von wertvollem Boden und Ökosystemleistung im städtischen Kontext erzeugt langfristige Kosten (z.B. Biodiversität, Verlust lokaler Kühlung, neue Hitzeinseln oder Versickerungsverluste und dadurch erhöhte Infrastrukturkosten). Die Kosten dafür variieren stark je nach Forschungsquelle und Annahme zwischen 100 und 900 €/m2. Bei der Annahme von 300 €/m2 entstehen daher Kosten in Höhe von 7.200.000 €.
B) Schaden in Millionenhöhe
→ In Summe entsteht durch diese Autobahnkreuzung mitten in der Stadt enormer Schaden am gewachsenen und gesunden Boden, an großen Bäumen und durch Verlust von Kühlleistung. Monetär bewertet beläuft sich der unmittelbare Schaden für die Linzer:innen, die umliegenden Stadtviertel und die Öffentlichkeit daher auf
7.920.000 € Baumverlust
7.200.000 € Bodenverlust
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15.120.000 €
Durch den Verlust von Baum und Bodensubstanz in Hinblick auf die nächsten Jahrzehnte sollte dieser Schaden für die Linzer:innen, die umliegenden Stadtviertel und die Öffentlichkeit aber sogar mit
15.840.000 € Baumverlust
75.811.200 € Verlust Kühlleistung
7.200.000 € Bodenverlust
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98.851.200 €
beziffert werden.
C) Angemessener Schadenersatz für die Linzer:innen
Das bedeutet, dass die Stadt bei Vertragsunterzeichnung (der nicht gedeckelten fünfprozentigen Kostenbeteiligung) sehr schlecht verhandelt hat und sich entweder des ökologischen und stadtklimatischen Schadens nicht bewusst war oder diesen enormen Schaden bewusst ignoriert hat.
Doch wir schreiben das Jahr 2025: Linz will Klimahauptstadt werden, gibt viel Geld für Strategien und Klimamaßnahmen aus, will bis 2040 sogar klimaneutral werden. Es gibt neue Erkenntnisse und ein neues Bewusstsein. Daher ist eine ökologische und monetäre Bewertung des Schadens, den die A26 und insbesondere die Autobahnkreuzung im Bereich Ziegelei- und Bergschlösslpark verursacht, dringend notwendig. Nur so kann es einen Schadensersatz und eine echte Kompensation geben, die für die Linzer:innen, die angrenzenden Stadtvierteln und die Allgemeinheit relevant, wirksam und spürbar ist.
Genau das strebt dieser Antrag an. Zuerst soll durch ein befähigtes, externes Forschungsinstitut aus dem deutschen Sprachraum eine monetäre Schadenserhebung erfolgen. Diese dient dann dazu, entsprechenden Schadensersatz durch die Verursacherin, die ASFINAG zu schaffen. So könnten mit einer adäquaten Schadenssumme im weiteren Umfeld ganz konkret neue Parks auf angekauften Grundstücken errichtet oder neue Bäume nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt werden.
In diesem Zusammenhang stellt die PLUS-Gemeinderatsfraktion folgenden Antrag. Der Gemeinderat der Stadt Linz beschließe:
Der Bürgermeister möge sich gemeinsam mit dem gesamten Stadtsenat dafür einsetzen, dass der durch die A26 im Bereich des Bergschlösslparks und Ziegeleiparks entstandene Schaden durch ein geeignetes und externes Forschungsinstitut monetär bewertet wird.
Weiters möge sich der Bürgermeister – ebenfalls gemeinsam mit dem Stadtsenat - dafür einsetzen, dass diese Schadensbewertung zu einem angemessenen (den Erkenntnissen der Linzer Stadtklimaforschung, sowie dem Ziel der Klimaneutralität entsprechend) Schadensersatz durch die ASFINAG führt.
Bedeckungsvorschlag: Etwaige Kosten können durch Umschichtungen im Budget gedeckt werden. Des Weiteren wird ersucht, diesen Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Gemeinderates zu setzen.
Berichterstatter: GR Lorenz Potocnik
Linz am 20. November 2025
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Alle LinzPLUS-Aktivitäten rund um die A26 finden Sie in diesem Blogbeitrag:

Die ASFINAG zerstört den Bergschlössl- und Ziegeleipark, vernichtet viel gewachsenen Boden und bestehende große Bäume und beschädigt den bestehenden Grundwasserspiegel.
Alte, stadtklimatisch wirksame Bäume sollen im Berschlösslpark gerodet werden.
So sieht es aktuell im Ziegeleipark aus. Wie verrückt ist es, diesen wertvollen Baumbestand für ein Autobahnkreuz zu opfern?
Download Übersichtslageplan der ASFINAG:

Baumkataster Linz, in Rot, was gefällt wird:

Die rot markierten Bäume sollen gerodet werden.
Mehr Hintergrundinfos und PLUS-Aktivitäten zur A26:
Größenvergleich: Annähernd der Volksgarten wird geopfert.
Autorin: Linz+
19.Oktober 2025









































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