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Donauparkstadion: Von 9 auf 59,9 Millionen in wenigen Jahren.

  • 20. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Mai

Was Insider schon längst gewusst haben, kommt nun dank eines Bundes-Rechnungshofberichts (Danke Wien!) ‘ans Licht’. Nicht nur die Kosten des Donauparkstadions sind explodiert, sondern auch die Basics der Rechnungsprüfung und demokratisch erforderlichen Transparenz wurden ignoriert. Wohl mit politischer Deckung. 

Zuerst 9, dann irgendwas mit 20, auf unsere Anfrage dann schon über 43 und nun 59,9 Mio. €. Das Prestigeprojekt der Linzer SPÖ hat sich zu einem Fass ohne Boden entwickelt.


„Die Kostenexplosion des Donauparkstadions ist eine Versiebenfachung des ursprünglich angekündigten Preises“, so Potocnik, der diesen Irrsinn und fahrlässigen Umgang mit Steuergeldern von Anfang an und als einziger (!) scharf kritisiert und bekämpft hat. „Und obwohl das von Anfang an klar war, haben alle außer uns im Gemeinderat brav die Hand gehoben… bisher war niemand nachgefragt und an Transparenz interessiert. Genau diese Mitläufer und Parteisoldaten schreien jetzt aber ‚Aufklärung‘ und ‚Klarheit‘?“  Statt Stehsätzen und ‘Versprechen zur Verbesserung’ braucht es in Wirklichkeit personelle Konsequenzen. 


Ich erinnere mich, als wäre es gestern. Der damalige Bürgermeister verkündete in einem Ausschuss, das neue Stadion an der Donau – Teil des zwei Stadion-Pakets für Linz - würde um 9 Millionen und einer jeweils Drittelbeteiligung von Stadt, Land OÖ und dem Club gebaut werden. Auf mein Insistieren, dass dies unmöglich sei, ein Stadion in dieser Größenordnung weit über 30 Millionen kosten würde, der Club kein Geld hätte und es Klarheit bedürfe wurde ich systematisch als „faktenbefreit“ und „unseriös“ abgestempelt.” 


Meine letzte Anfrage vom Juni 2024 (als einziger habe ich versucht, die Gesamtkosten jährlich herauszubekommen) an die damals interimistische Bürgermeisterin Karin Hörzing wurde Ende September 2024 vom mittlerweile amtsführenden Bürgermeister Dietmar Prammer mit Ausreden und „nicht vorhandenen Zuständigkeiten der Stadt Linz“ (!) vom Tisch gewischt. Wohl aus gutem Grund, denn alle Beteiligten wussten bereits längst von erneuten Kostenüberschreitungen und den Versuchen des Geschäftsführers Markus Eidenberger diese nicht öffentlich zu machen. Genau dieses systematische Vertuschen wird nun vom RH endgültig aufgedeckt.


Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, das Donauparkstadion ist fertig. Zuletzt, in der Beantwortung meiner letzten Anfrage vom 29. Juni 2023, wurden die Kosten des Bauwerks mit 43,7 Millionen Euro beziffert. Doch eine endgültige Abrechnung steht noch aus. Auch gibt es ernstzunehmende Gerüchte, dass es noch offene Rechnungen gibt. 


  1. Gibt es noch offene Rechnungen? Wenn ja, welche sind das und wie hoch sind die Beträge, die noch zu zahlen sind?

  2. Wird es dafür noch Beschlüsse im Gemeinderat brauchen?

  3. Wann wird es eine finale Abrechnung und Endsumme für dieses Projekt geben?



Ein Jahr früher, im Juni 2023 habe ich insgesamt 14 Fragen, u.a. zu den Kosten des Donauparkstadion an den damals noch amtierenden Bürgermeister Klaus Luger gestellt. Dieser war - schwer zu glauben - offenbar noch ehrlicher als sein Nachfolger. Er hat die Gesamtsumme damals mit 43,7 Mio. € beziffert und die meisten der Fragen (zu Recht) beantwortet!

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, seit Beschlussfassung im Januar 2021 wur­de das Donaupark­stadion um rund 15 Millionen Euro teurer. Diese ‚über­ra­schen­den‘ Verteuerungen und der kommende, aller Voraussicht nach teure und sub­ventionierte Betrieb werfen bei mir einige Fragen auf:


  1. Warum wurde beim Stahl-Preis ‚Open Book‘ gewählt, obwohl die Bau­unter­nehmung Granit Gesellschaft m.b.H. Total­unter­nehmer ist? Warum wurde die­ses hohe Risiko nicht beim Total­un­ter­nehmer gelassen? Gibt es für die Über­nahme dieses Risikos durch die Immo­bilien Linz GmbH (ILG) einen schrift­lichen Be­schluss in der ILG, wenn ja, wie lautet dieser genau, von wem wurde dieser be­schlossen und wann?

(...)


„Sponsoren“ unter die Lupe nehmen

„Seit Freitag bekomme ich wieder Hinweise aus der Baubranche“, so Potocnik, der darauf hinweist, dass die Kostenüberschreitungen auch durch 'Sponsoring' der beteiligten Firmen entsteht. „Schau dir einmal die Sponsoren näher an…. die müssen Summen an den Verein abgeben“, oder: „So etwas kommt raus, wenn es sich der öffentliche Auftraggeber leicht macht und einen GU- bzw. Totalunternehmer beauftragt…. somit das Bundesvergabegesetz umgangen wird und für die einzelnen Teilgewerke nicht der Bestbieter, oder günstigste Billigstbieter über transparente Vergabeplattformen beauftragt wird… sondern direkter beauftragt werden kann und über Nachträge und Mehrkostenforderungen Sponsoring eingepreist werden kann.”


Über diese Umwege zahlt so dann in Wirklichkeit die öffentliche Hand.


Klare Verantwortung – Konsequenzen notwendig

Das Fiasko ist politisch vom heutigen Bürgermeister und dem Aufsichtsrat der ILG sowie operativ vom Geschäftsführer der ILG, Markus Eidenberger, zu verantworten. „Dieser schießt einen Bock nach dem anderen“, so Potocnik, der auch personelle Konsequenzen fordert. Denn ein paar Stehsätze und Versprechen zur ‚Verbesserungen'‘ genügt bei diesen systematischen und zum Teil gewollten Verfehlungen nicht:


„Nach den Fehlplanungen bei der Tabakfabrik, Stichwort Hochgarage oder Innenhof, wird nun für alle das Versagen auch beim Donauparkstadion offensichtlich. Der Rechnungshof bemängelt ‚Basics' der Rechnungsprüfung und Projektsteuerung, die hier nicht eingehalten wurden. Auch der Gemeinderat wurde bewusst nicht informiert. Wie lange leistet sich Linz – auch in Hinblick auf die kommende Sanierung des Neuen Rathauses - noch diese Inkompetenz?“


Ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht unser Blogeintrag vom Mai 2023: www.linzplus.at/post/donauparkstadion-fass-ohne-boden


Zur Prüfung des Rechnungshofes

Der Rechnungshof überprüfte den Neubau des Donauparkstadions in Linz, die Heimspielstätte des Fußballvereins FC Blau-Weiß Linz. Das Stadion wurde im Juli 2023 eröffnet. Der FC Blau-Weiß Linz erhielt ein eigenes Stadion, unter anderem weil der Fußballverein LASK 2020 für rund 80 Jahre das exklusive Nutzungsrecht für das damalige Linzer Stadion bekam. Bis 2020 hatten beide Profi-Fußballvereine, LASK und FC Blau-Weiß Linz, zweieinhalb Saisonen lang im Linzer Stadion gespielt. In seinem heute veröffentlichten Bericht „Neubau Donauparkstadion Linz“ (pdf) stellt der Rechnungshof fest: Eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse der öffentlichen Investitionen fand vorab nicht statt, obwohl die Errichtung des Donauparkstadions insgesamt 59,90 Millionen Euro kostete. Die Donauparkstadiongesellschaft, die von der Stadt Linz eigens für das Stadion-Projekt gegründet wurde, nahm ihre Bauherrnaufgaben nur unzureichend wahr: So informierte sie den Gemeinderat über wesentliche Entscheidungen nur anlassbezogen. Sie wechselte im Zuge des Vergabeverfahrens von Festpreisen zu veränderlichen Preisen, was zu ihrem Nachteil war und zur Überzahlung des Totalunternehmers führte. Überprüfter Zeitraum war 2019 bis 2024.


Download des Berichts:


Medien:

Der Standard: Rechnungshof sieht schwere Fehler bei Neubau des Linzer Donauparkstadions

Prüfer raten wegen Überbezahlung, vom Totalunternehmer knapp eine Million Euro zurückzufordern. Man habe "Grundregeln der Rechnungsprüfung" missachtet


ORF: RH: Schwere Fehler bei Bauabwicklung des Donauparkstadions

Die Mängelliste des Rechnungshofs (RH) zum Neubau des Donauparkstadions ist nicht nur lang, die Beanstandungen sind auch gravierend. Unterm Strich rät er dem Bauherren, einer Immobiliengesellschaft der Stadt, vom Totalunternehmer zumindest knapp eine Million Euro wegen Überbezahlung zurückzufordern.

17. April 2026, https://ooe.orf.at/stories/3350438/      


Linz+ Chronologie des Stadions:







 

Hier zum Download die wesentlichsten Gemeinderatsanträge zum Stadion seit Januar 2021:



Facebook-Einträge seit 2020

20. Juli 2020: LINZA berichtet: Potocnik fordert Finanzierungskonzept, Gemeinderat tappt im Dunkeln:


21. Oktober 2020: Ihr kritischen Geister, bitte schaut euch das an.


30. Dezember 2020: Chronik eines angekündigten Fiaskos!


7. Januar 2021: Ich sehe schwarz beim Donauparkstadion. Die Kosten explodieren. Das Risiko hat nur mehr die Stadt. Darum redimensionieren.


23. Januar 2021: Ich bin wirklich geschockt, wie hier vorgegangen wird. 9 Mio € waren ausgemacht.

Der Gemeinderatsbeschluss vom Januar 2021 dazu: Wortprotokoll-Auszug der 47. Gemeinderatssitzung am 21.1.2021


17. Juli 2021: Koste es was es wolle, wenn Edelfan Klaus Luger das so will. Doch dieses Stadion wird uns noch jahrelang Kopfzerbrechen bereiten.


8. September 2021: Potocnik fordert, die Stadt muss nachverhandeln und Kostenanteil des Landes erhöhen:



16. September 2021: Potocnik deckt auf: #Donauparkstadion


17. März 2022: Überraschung!!! Das Stadion wird wieder teuer. Alle haben brav mitgemacht.


18. März 2022: Donauparkstadion hat als Schwarzbau begonnen. Wenn der B das will, dann wird betoniert.


25. Februar 2023: Zwei neue Stadien für jeden Verein eines, aber das Geld fehlt bitter bei den Kernaufgaben. Darauf ist die Luger-SPÖ auch noch stolz.


12. Januar 2021: In ein paar Jahren will es dann niemand gewesen sein.


Medienberichte:

23.5.2023, Österreich:



25.5.2023, OÖN:




Basis dieses langen und kritischen Interviews war folgendes Pressestatement. Hier zum Download:




Autorin: Linzplus

20.4.2026

 
 
 

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