Linz kühlen: Vorschriften zur Pflanzung von Bäumen qualitativ verbessern
- 13. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Mai
Laufend werden in Oberösterreich und Linz auf Betriebsparkplätzen, vor Geschäften oder im Zuge von Bauvorhaben aller Art Bäume gepflanzt. Solche Baumpflanzungen und Begrünungsmaßnahmen werden von der öffentlichen Hand auf Grundlage des Oö. Bautechnikgesetzes, der Oö. Bautechnikverordnung (Stellplatzregelung) sowie örtlicher Bebauungspläne und Baubescheide vorgeschrieben.
Doch die Qualität der so erfolgten Baumpflanzungen ist meist nicht zufriedenstellend. Diese Bäumchen bekommen meist keine Anwuchspflege, wachsen kaum, sind in der Regel verkümmert und entwickeln daher - wenn sie nicht eh rasch wieder sterben - keine stadtklimatische, kühlende Wirkung.

Eines von vielen Beispielen, wie ohne Qualität, die dürftigen Vorschriften erfüllt werden. Stadtklimatische Wirksamkeit erreichen diese Stecken nie, meist sterben sie nach kurzer Zeit. Schade ums Geld. Ort: Neuer Parkplatz beim Pro-Kaufhaus. März 2026.
Ursache dafür sind qualitativ mangelhafte Vorschriften. Denn gefordert wird nur eine bestimmte Menge bzw. eine bestimmte Größe des Baumes (Stammumfang). Das, worauf es ankommt, nämlich der Untergrund und das unmittelbare Umfeld (z.B. Baumscheiben, aber auch heiße, spiegelnde Glaswände, Asphalt oder Betonwände) werden ignoriert. Entsprechend "erledigen" die privaten oder genossenschaftlichen Projektentwickler die geforderte Anzahl eben nur nach Vorschrift, in möglichst billiger Art und Weise. Ob die Bäume dann wirklich wachsen und in 15-20 Jahren stadtklimatisch wirksam werden, also kühlen, ist dabei meist nicht mehr relevant.
Zwei Beispiele aus Linzer Bebauungsplänen aus den letzten Jahren


Diese Praxis sollten wir ändern. Denn Linz gibt mittlerweile sehr viel Geld für die Entsiegelung und Pflanzung von Bäumen in schwierigem Umfeld, sprich im öffentlichen Straßenraum und auf Plätzen, aus. Dafür werden Böden saniert und aufbereitet und für die nötige Bodenoffenheit und Speicherfähigkeit von Regenwasser gesorgt, um eine natürliche und ausreichende Bewässerung zu gewährleisten. Doch diese wertvollen Pflanzungen nach dem Schwammstadtprinzip machen insgesamt wenig Sinn, wenn diese Bemühungen nicht über die ganze Stadt(planung) und das ganze Baugeschehen, auch von privater oder genossenschaftlicher Seite, ähnlich qualitativ und nachhaltig verfolgt werden.
Entsprechend müssen die Vorschriften zu Baumpflanzungen (und Begrünung) qualitativ nachgeschärft werden. Der Fokus muss dabei – weit über die Größe und Anzahl der Bäume hinaus – auf dem zu schaffenden Wurzelraum und der Baumscheibe liegen. Diese müssen ausreichend groß, ‚kühl‘ (Wurzeln brauchen es kühl) und offen sein, um ein gesundes und langes Wachstum der Bäume (Wurzeln) zu gewährleisten.
Um dies zu erreichen, schlagen wir vor, dass sich eine kleine ‘Taskforce’ bestehend aus den städtischen Expert:innen der Klimastabstelle, der Stadtplanung, der Stadtgärten und der Grünflächen&Verkehrsgrün darüber Gedanken macht, wie das stadtklimatisch wichtige Ziel unsere Stadt zu kühlen über qualitativ bessere Vorschriften zur Pflanzung von Bäumen (durch Private und Genossenschaften) verbessert werden kann.
Download des PLUS-ANTRAGS:

Gleichzeitig gepflanzt (Frühjahr 2020, Donaufeldstraße 5, Gelände Infineon) steht der rechte Baum auf gewachsenem, kühlen Boden und gedeiht. Der linke hat zu wenig Nährstoffe und verglüht zwischen heißem Asphalt und Gebäude. Dieser wird nie eine stadtklimatische Wirkung, sprich ein ordentliche Größe und höheres Alter erreichen. Bäume kühlen erst maßgeblich ab einem Alter von 30 Jahren.
Bäume auf und um die Überplattung der Autobahn A7-Bindermichl. Die Spitzen sind tot, die heißen Betonwände verbrennen die ganze Baumkrone. Sommer 2025.
Weingartshofstraße, neben Luxtower. Viel zu kleine Baumteller, zu viel Asphalt und die brennheissen, spiegelnden Gläser des LUX-Towers backen den Baum regelrecht. Auch dieser wird nie ordentlich wachsen und kühlen können. Er bleibt reine Deko. Facebook-Post Lorenz Potocnik September 2025: https://www.facebook.com/share/p/1NW29WvDcH/
Mai 2026, EUROSPAR Kleinmünchen Wiener Straße. Im Dez 2021 (nach einem Abbruch und Neubau) wiedereröffnet, hat es weder der SPAR noch die Stadt Linz geschafft, hier für echte Bäume und ordentlichen Untergrund zu sorgen. Außer einem, hinter dem Markt, der steht auf gewachsenem Boden. Prompt ist dieser der einzig gesunde Baum mit jahrzehntelangem Potential.
Kein Wunder, denn die Fotos von der Baustelle aus dem Jahr 2021 zeigen, wie ignorant und inkompetent da gearbeitet wurde.
Wohnbausiedlung 'Lange Allee', Helmholzstraße, Ellbognerstraße. Auch nach fast 10 Jahren, (Eröffnung 2017), sind die Bäume alle verhungert. Kein Wunder, unter der ganzen Siedlung wurde eine Tiefgarage errichtet. Darauf wächst nichts mehr richtig. Die Bäume bieten keinen Schatten und kühlen nicht.
Die GWG - städtische Wohnbaugesellschaft - verzichtet in der Derfflingerstraße gleich auf jede Art der Freiraumgestaltung und leistet somit keinen Beitrag zur Kühlung. Im Gegenteil, sie schafft eine neue Hitzeinsel.
In der Energiestraße, beim LDZ wurden beim Zubau der Energie-AG (Fertigstellung Sommer 2022) die bestehenden, 2017 gepflanzten Bäume wieder ausgerissen, eine Tiefgarage bis unter die Straße (öffentlichen Raum) gezogen (genehmigt) und statt gewachsenem Boden 30 cm Erde für Tulpen und ein paar größere Büsche aufgeschüttet. Stadtklimatische Wirkung in der heißen Straße? Gegen 0.
So könnten Baumpflanzungen auf Parkplätzen und in Wohnsiedlungen (Genossenschaftsbauten) auch aussehen. Die Fotos sind aus Zürich aus dem Jahr 2023.
Facebook-Post Lorenz Potocnik, 23. März 2026:
"Was glaubt ihr, werden das große, schöne Bäume? Werden diese über Jahrzehnte wachsen und unsere Stadt und diesen neuen Parkplatz in Urfahr kühlen?
Gestern bekam ich diese Fotos zugesandt. Das sind die neuen "Bäume" beim Parkplatz des Pro-Kaufhauses. Mickrige Wurzelräume, in Beton eingefasst, bischen Erde drauf. So wird das nichts. Wird kennen alle diese halbtoten Bonsais auf Supermarkt-Parkplätzen, um die sich niemand kümmert. Aber die Vorschrift ist "erfüllt".
Leider, denn im entsprechenden Bebauungsplan (siehe unten) wird (wie seit Jahrzehnten) einfach nur 'gefordert', die Flächen des ruhenden Verkehrs "so zu gliedern, dass nach jedem 5. Abstellplatz mind. ein großkroniger Baum zu pflanzen ist."
Es gibt keine qualitativen Festlegungen, keine Bedingungen für ordentliche Erdkoffer. Dabei müsste es die Stadt Linz schön langsam besser wissen. Im öffentlichen Straßenraum pflanzen wir seit Jahren hunderte Bäume um 25 - 30.000 € das Stück. 90% dieser Kosten gehen in den UNTERGRUND. Das macht Sinn, denn nur dann wird dieser Baum lange wachsen und sich entwickeln können und... stadtklimatisch wirksam werden.
Währenddessen lassen wir die Privaten wir immer noch ihre Bonsais und Büsche pflanzen, schauen zu, wie diese nach einem oder wenigen Jahren durch die Hitze des Asfalts und den fehlenden Untergrund bereits hin sind.
Warum nutzen wir unsere Bebauungspläne und Ediktalverordnungen nicht, um ordentliche Qualitätsstandards für Baumpflanzungen festzulegen? Warum ist es so schwer, die Klimaanpassung und Stadtklimamaßnahmen in die tägliche Planungspraxis umzusetzen?"
#Stadtklima #hitze #StadtentwicklungfürLinz #selbstbewusstsein #Schwammstadt #echtebäume #greenwashing
Facebook-Post Lorenz Potocnik,17.5.2026
Reality Check in Pichling, bei der 2020 eröffneten Wohnanlage (270 Wohnungen) der LAWOG am ehemaligen Gelände der Christlacke.
Angekündigt und vermarktet wurde und wird das als "Naturpark Linz Süd". Auf der Visualisierung damals, wie so oft, riesige Bäume und eine Naturlandschaft, siehe unten.
Die Realität - nach fast 6 Jahren - ist brutal: Die wenigen Bäumchen sind fast alle tot, darunter eine Tiefgarage, die aus Kostengründen nur zur Hälfte vergraben wurde, darüber wächst nichts außer Gras. Sonst nur viel Beton und Asphalt, Luftauslässe, unfassbar lieblose 'Freiräume'.
Die LAWOG ist sich aber nicht zu blöde, dort immer noch Schilder aufzustellen, wo die "Naturnahen Freiräume" angepriesen werden. "Diese Wohnhausanlage wurde nach den Grundsätzen des Projektes 'Wege zur Natur' des Landes OÖ gestaltet. Heimische Wildpflanzen bieten attraktiven Lebensraum für Menschen, Bienen, Schmetterlinge und viele andere Tiergruppen." Sogar von "Blumenwiesen" und "Bäumen, die Schatten spenden" ist die Rede.
Auf diesem Niveau, mit diesen Lügen (noch dazu gefördert), können wir nicht weitermachen. In der Stadt pflanzen wir Bäume um viel Geld, sanieren Böden und die Genossenschaften oder Supermärkte machen das Gegenteil und die Böden kaputt. Darum habe ich einen Antrag in der nächsten Gemeinderatssitzung: https://www.linzplus.at/post/echte-baeume
#hitze #Stadtklima #echtebäume #gewachsenerboden #Schwammstadt #schlussmitlügen #qualität #StadtentwicklungfürLinz #ideenfürlinz Bürgerinitiative Linz- Süd
Was wurde im Juli 2017 nicht alles versprochen.... leider nichts gehalten. Die Stadt Linz kümmert es auch nicht: In Pichling entsteht grüne Wohnanlage für 270 Mieter | Nachrichten.at
Bäume beim "neuen" PRO Kaufhaus in Urfahr.
Baumpflanzungen beim Intersport/ Hofer gegenüber des ehemaligen KIKA. Der Baum am letzten Bild hat mehr Untergrund und entwickelt sich im Vergleich zu den anderen am Parkplatz besser.
Medien
22.Mai Facebook: Das ist kein Fortschritt.
Ein versiegelter Schulhof. Zwei Bäume in Asphalt. Pfützen, die nirgendwo versickern. Kein Schatten, kein Grün, kein Leben.
Das ist Fortschritt.
Dieselbe Fläche. Dieselben Bäume — jetzt mit Baumscheiben und Gras. Staudenbeete entlang der Randbereiche. Rasengittersteine statt Vollversiegelung. Kinder, die sich auf der Fläche aufhalten wollen.
Der Unterschied: Versickerung statt Abfluss. Insekten statt Leere. Schatten statt Hitzeinsel. Aufenthaltsqualität statt Transitzone.
In Deutschland sind über 80 Prozent der Schulhöfe vollständig versiegelt. Hitzeschutzprogramme der Länder und das Bundesprogramm "Stadtgrün" fördern genau diese Umgestaltungen — entsiegeln, bepflanzen, kühlen.
Eine entsiegelte Fläche speichert Regenwasser, kühlt die Umgebung durch Verdunstung um bis zu 4 Grad und bietet Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Lebensraum mitten im Siedlungsbereich.
Das zweite Bild kostet nicht mehr als das erste. Es braucht nur den Entschluss, Beton nicht als Standard zu behandeln.

Autorin: LinzPLUS
13.5.2026














































































































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