Zwangsarbeitslager Dornach: Nicht zuschütten, sondern öffentlichen Gedenkpark schaffen
- linzplus
- 4. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Kürzlich aufgetauchte Archäologische Funde in Dornach erinnern an ein fast vergessenes Kapitel der Linzer NS-Zwangsarbeit. Vor 80 Jahren ging der Zweite Weltkrieg und Holocaust zu Ende. Doch nicht nur Vernichtungslager wie Mauthausen wurden von den Amerikanern befreit (5. Mai 1945), auch in Linz selbst waren sehr viele NS-Lager mit zehntausenden Zwangsarbeiter:innen. Ein sehr großes davon war das „Städtische Arbeiterlager Dornach“ südlich der heutigen Mengerstraße.

Dieses Feld südlich der Mengerstraße war einst das "Städtische Arbeitslager Dornach".
Bis vor kurzem deutete nichts mehr auf diesen Ort des Verbrechens hin. Wegen eines Bauprojekts sind nun Fundamente des ehemaligen Lagers zu Tage getreten. Auch zahlreiche Artefakte wurden von den Baggern beim Abziehen der Humusschicht freigelegt. LinzPLUS fordert nun historisches Bewusstsein und einen sorgsamen Umgang mit diesem Ort. Das ehemalige Lager soll nicht bebaut und stattdessen zu einem Park der Erinnerung und Begegnung gemacht werden.

Luftaufnahme aus dem Jahr 1945. In Linz gab es 77 Lager für Zwangsarbeiter:innen. https://stadtgeschichte.linz.at/7412.php?utm_source=chatgpt.com
Park statt Neubau: Auch das Zwangsarbeitslager Dornach wurde vor 80 Jahren befreit. Statt einfach drüber zu bauen, sollte hier ein Park der Erinnerung entstehen.
Nichts hat die letzten Jahrzehnte auf das ehemalige Arbeitslager in Dornach hingewiesen. Kein Denkmal, kein Bauwerk. Wohl nur einige Historiker:innen und Zeitzeugen wussten Bescheid. „Doch im Januar 2023 wurde das Feld auf Wunsch einer Stiftung vom Gemeinderat (ÖVP, FPÖ, SPÖ) zu Bauland gemacht. Im Zuge der vorbereitenden Maßnahmen sind Anfang dieses Jahres nicht nur Fundamente, sondern auch zahlreiche Artefakte des bis 1945 betriebenen Zwangsarbeitslagers freigelegt worden. Tausende Menschen aus Italien, Tschechien und Russland wurden hier in Urfahr vom NS-Regime und unter städtischer Führung versklavt.“ so Lorenz Potocnik, PLUS-Gemeinderat und Stadtentwickler. „Auf einem meiner Streifzüge stieß ich zufällig auf die Überreste. Die Fundamente sind Teil eines riesigen Lagerkomplexes, wo tausende Menschen unter Zwang lebten und arbeiteten. Auch dieses Lager wurde am 5. Mai, also vor genau 80 Jahren in Linz befreit.“
Appell: Nicht zuschütten, sondern öffentlichen Gedenkpark schaffen
Doch anstatt (wie so oft im Umgang mit der dunklen NS-Geschichte in Österreich) so diskret als möglich vorzugehen, fordert Potocnik einen geschichtsbewussten Umgang mit den archäologischen Funden. „Hier soll nicht einfach drüber gebaut und die Überreste des Lagers vernichtet werden. Auch ein Schild genügt nicht. Ich denke, wir sollten den archäologischen Funden und dem Geist des Ortes (Genius loci) in Form eines neuen Parks der Erinnerung und der Begegnung gerecht werden. Die Stadt Linz hat hier die historische und moralische Verantwortung, nicht nur zu erinnern, sondern auch einen Ort zu schaffen, an dem Lernen und Gedenken möglich sind. Abgesehen davon würde das Dornach-Auhof auch stadtentwicklerisch gut tun.“
Hintergründe und Links:
Wikipedia zum „Städtisches Arbeitslager Dornach“:
Beschluss zur Umwidmung von Grün- auf Bauland am 23. Januar 2023:
PLUS-Blog zur Umwidmung des Areals, Januar 2023:
Petition zum Erhalt des Grüngürtels in der Mengerstraße (2022):
Petition · Petition gegen Flächenumwidmung in der Mengerstrasse und für den Erhalt des Historische Orthofotos: Grüngürtels - Österreich · Change.org
Lager in Linz:
Historische Luftbilder Linz:
Ein weiteres Lager, das sogenannte „Russenlager Auhof“, befand sich auf dem Gelände der heutigen Johannes Kepler Universität (Science Park) Linz. Hier waren ab 1941 sowjetische Kriegsgefangene interniert, wobei Schätzungen zufolge bis zu 5.000 Personen dort untergebracht gewesen sein könnten. Die genauen Todeszahlen sind bislang nicht vollständig dokumentiert. https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/auf-areal-der-kepler-uni-war-ein-gefangenenlager/126.235.861
Dazu gab 2015 einen Antrag der KPÖ: Antrag Kriegsgefangenenlager Auhof - KPÖ Oberösterreich
Historischer Hintergrund
Das Lager Dornach („Städtisches Arbeiterlager Dornach“) war eines von über 80 Zwangsarbeitslagern im Raum Linz. Zwischen Oktober 1941 und 1945 wurden hier überwiegend italienische und später auch osteuropäische Zwangsarbeiter:innen untergebracht, die u. a. im Bauwesen eingesetzt wurden. Die Lagerbedingungen waren menschenunwürdig – das Lager selbst entstand durch Enteignung lokaler Bauern unter NS-Zwang. Heute erinnern nur wenige sichtbare Spuren an diesen Teil der Stadtgeschichte.
Zunächst von der „Lagerverwaltung Haid-Dornach“ der Linzer Reichsautobahnen-Raststätten GmbH betrieben, übernahm ab 1942 die Stadt Linz die Verwaltung. Dieses Lager war Teil des Lagerkomplexes für Zwangsarbeit im NS-Staat und beherbergte sowohl „Fremdarbeiter“ als auch Kriegsgefangene.

Um dieses Feld südlich der Mengerstraße handelt es sich. Quelle: https://www.linzplus.at/post/mengerstrasse-rote-linie-ueberschritten
Position des Lagers auf dem aktuellen Grundstück: Auf diesen zwei Bildern ist rot umrandet der aktuelle Acker eingezeichnet. Die zwei mit einem weißen Pfeil markierten Baracken sind die, dessen Fundamente heute noch zu sehen sind. Nur diese zwei haben Fundamente, da dort höchstwahrscheinlich die Küchen bzw. Nasszellenwaren (gut an den Schornsteinen zu erkennen).
Die Fundamente dieser zwei Baracken würden unter dem Bauprojekt verschwinden.

Teile des Lagers in eine aktuelle Luftaufnahme (maßstabsgerecht) eingefügt.

NS Opferorte in Österreich und Linz... meist vergessen oder verdrängt:
Linz ab Seite 62: Katalog der NS-Opferlager in Österreich
IN SITU Projekt Linz 09: Orte - insitu-linz09.at
Forschungen von Hermann Rafetseder – Wikipedia
SS, ZWangsarbeit und SWIETELSKY Baustelle Erinnerung: NS-Zwangsarbeit: Die „Straße der SS“ - science.ORF.at
Masterarbeit zu Zwangsarbeit, SS und SWIETELSKY
Zur problematischen Geschichte des Biodiversitätszentrums:

Das Gebäude des heutigen Biologiezentrums mit dem dahinter liegenden Barackenlager . Foto wahrscheinlich 1944.
DOWNLOAD Presseaussendung
Vor Ort gefundene Artefakte und Knochenstücke, April 2025
Medienberichte:

31.Mai 2025, OÖN

3.Juli 2025: Grüne bemühen sich um Gedenkkonzept zu den Linzer Luftschutzstollen:
28.8.2025 ähnlicher Fall in Niederösterreich, der FALTER berichtet:
Leobersdorfs Bürgermeister Andreas Ramharter macht ein ehemaliges KZ zum Gewerbepark - In Leobersdorf sind alle Bemühungen um ein würdiges Gedenken an das Frauen-KZ gescheitert
Wer wissen will, wie Österreich mit seiner Geschichte umgeht, der muss von Wien aus nur die B18 nehmen. Bis nach Leobersdorf, etwas mehr als eine halbe Stunde. Dann kommt rechter Hand eine Brache. Hier stand bis 1945 das zweitgrößte Frauen-Konzentrationslager auf heutigem österreichischem Gebiet. Häftlinge aus der UdSSR, Italien und Polen mussten in der nahegelegenen Munitionsfabrik schuften. Das Lager wurde nach dem Krieg abgebaut. Auf Luftaufnahmen aus den 1960er-Jahren sind letzte Barackenreste zu sehen.
Im Boden haben Archäologen noch Fundamente gefunden. Doch auch sie werden verschwinden. Denn auf dem Gelände wird jetzt ein Gewerbepark gebaut. Lastwagen haben in den vergangenen Tagen Schotter gebracht, um das Gelände zu planieren. Der Bürgermeister von Leobersdorf, Andreas Ramharter von der Liste Zukunft Leobersdorf, hat sich sehr für das Projekt eingesetzt. Für einen Gedenkort an der Stelle des KZs weniger. Ramharter hat beim Verkauf des Grundstücks an den Immobilieninvestor ja auch mitgeschnitten. Er hat an seine Zukunft und nicht an die Aufarbeitung der Vergangenheit gedacht.
UPDATE 11.9.2025
Studie zum 'Städtischen Arbeitslager Dornach" von Zeithistoriker und Kurator Michael John.
Download des PLUS-Antrags für die 32.Gemeinderatssitzung am 25.9.2025

Medienberichte:
15.9.2025, OÖN


20.9.2025, BEzirksrundschau : https://www.meinbezirk.at/linz/c-lokales/linzplus-fordert-gedenkpark-fuer-ehemaliges-arbeitslager-dornach_a7625938
18.9.2025 Eröffnung der NORDICO Ausstellung "Sehnsucht Frieden - 80 Jahre Kriegsende in Linz". https://www.nordico.at/ausstellungen/sehnsucht-frieden
In der Publikation zur Ausstellung findet das Barackenfundament des ehemaligen Zwangsarbeitslager Dornach Beachtung. Aussage eines Zeithistorikers: „Es ist das einzige von 77 Lagern in Linz, wo überhaupt noch etwas sichtbar ist. Da muss man etwas machen.“
11.10.2025, OÖN: Hellmuth Swietelsky: Kein Täter, aber Komplize
Der Baukonzern Swietelsky hat die Anfangsjahre des Unternehmens während der Nazizeit erforschen lassen
.
Autor:innen: Brita Piovesan
4.Mai 2025

















































Kommentare