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Achtung Augenkrebs

Zwei Tage Gestaltungsbeirat offenbaren wieder einmal die Dysfunktionalität der Linzer Stadtplanung – oder ist das von politischer Seite genau so gewollt? 

Mozartstraße, Kreuzung Dametzstraße, "Monster im Anmarsch": Facebook-Post Potocnik 3.7.2024 https://www.facebook.com/share/p/5qv1KnCCGJcgD9Dd/ 


Am 1. und 2. Juli war wieder Gestaltungsbeirat. Insgesamt 13 Projekte waren auf der Tagesordnung. Schon beim Durchblättern im Vorfeld leide ich wie ein Hund. Abgesehen davon, dass zu viele Projekte eine Zumutung für Linz sind, habe ich Angst, beim Anblick Augenkrebs zu bekommen. 


In der Sitzung selbst wurde es dann noch schlimmer, meine Stimmung pendelt zwischen Apathie und Angriffslust. Das Niveau und die Präsentationen der Projekte sind z.T. unzureichend. Offenbar werden viel zu oft nicht die fähigsten, sondern die am besten befreundeten Architekten beauftragt, die stadteigene Wohnbaugesellschaft (GWG) geht wieder einmal mit schlechtem Beispiel voran und umgeht ordentliche Wettbewerbsverfahren und das Hochhaus-Projekt beim ehemaligen Hackl-Haus, an der Mozart- und Dametzstraße schlägt dem Fass dann ganz den Boden aus. Denn auf Wunsch des Investors wird ein monströser, zehnstöckiger Bau geplant.


Obwohl es dafür einer massiven Bebauungsplanänderung bedarf (sprich einen Beschluss im Gemeinderat) gibt es keinen Wettbewerb, keine städtebauliche Grundlage oder  Darstellung im Kontext. Der Planer – und offenbar auch die Stadtplanung – orientiert sich einfach an der gegenüberliegenden, hässlichen Bausünde aus den 1970er Jahren. Das Motto: Gegenüber steht schon etwas Hohes und Hässliches, na dann ist’s eh schon egal, da machen wir weiter, das wiederholen wir jetzt. Anstatt (als Stadt) das mangelhafte Projekt also entschieden und als Ganzes sofort zurück an den Start zu schicken und weiters für die wichtige Ecke einen transparenten und gut vorbereiteten Wettbewerb zu fordern, wird 'herumgedoktert' und mit einer ‚Wiedervorlage‘ für die nächste Sitzung des Beirats ein Pfad eingeschlagen, der kaum mehr zu stoppen ist. 


So kann das nicht weitergehen. Der Gestaltungsbeirat darf nicht mehr dazu missbraucht werden, Projekte mit fehlender städtebaulicher Grundlage zu legitimieren und so den Weg für Bebauungsplanänderungen zu ebnen. Dazu habe ich einmal grundsätzlich gebloggt: www.linzplus.at/post/gestaltungsbeirat-die-190igste Diese Praxis gehört beendet. Die provinziellen Seilschaften und Nicht-Könner müssen endlich davon abgehalten werden, ihren 'Sperrmüll' weiter in die Stadt zu betonieren und Linz so schrittweise zu verschandeln. Das Potential wäre so groß, die ambitionierten Architekten vorhanden. Es ist die Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die Architektur nicht den Städtebau überholt, Es ist die Aufgabe der Stadt, ihre hoheitlichen Instrumente zu nutzen und im Vorfeld einee eigene Vorstellung zu entwickeln. Es ist die Aufgabe die notwendige Verdichtung zu gestalten und die nötigen Maßnahmen für die angestrebte Klimaneutralität in die tägliche Planungspraxis zu integrieren. Es ist die Aufgabe der Stadtpolitik für eine gute Baukultur zu sorgen. 


Auf ein paar Fälle möchte ich genauer eingehen.  Bilder, Pläne oder Renderings zur Veranschaulichung können nicht veröffentlicht werden, da sie urheberrechtlich geschützt sind.


In der Harrachstraße 28 will ein Investor Büros und Wohnungen bauen. Der Bestand muss wieder einmal dran glauben, obwohl Umbauten und Aufstockungen (statt Abriss und Neubau) ein wesentlicher Beitrag und Hebel zur angestrebten Klimaneutralität von Linz bis 2040 sind. Und obwohl dort die „Welt der Frau“ auf mehreren Etagen einziehen will und die Investorin auch die (neue) Besitzerin des Verlags ist, wird einer der Linzer Platzhirschen beauftragt, und nicht in Wettbewerb unter den fähigen Architekt:innen ausgelobt. Das vorhersehbare Ergebnis ist - Markus Hengstschläger hat das die Durchschnittsfalle genannt – äh, recht durchschnittlich. Einen städtischen Sockel gibt es nicht, zwei Parzellen werden – trotz Vorstadtstruktur - zu einer großen, die Tiefgarage frisst sich in den Innenhof und die Fassade ist offensichtlich ohne Idee und auf billig. Wiedervorlage. Im September ist das Projekt also noch einmal dran. 


In der Schillerstraße soll zum Glück eine Baulücke,die seit zehn Jahren brach liegt, bebaut werden. Eine Tiefgarage entfällt, das ist ja schon einmal eine gute Nachricht. www.linzplus.at/post/stellplatzschluessel-reformieren Doch nicht, weil die Bauherren so überzeugt davon sind und weg vom MIV kommen wollen, sondern um sich die rund 400.000 € zu ersparen. Aber auch ein Keller ist nicht vorgesehen. Also werden „Abstellräume“ ins Erdgeschoss und sogar in die Obergeschosse gequetscht. Trotz des 4. Anlaufs, scheitert der Architekt noch einmal am Beirat. „It’s the architecture, stupid!“ oder „Nehmen Sie sich doch bitte eine fähige Architekt:in!“ möchte ich reinschreien. Es scheitert nicht am Beirat, der macht in diesem Fall nur seine Arbeit und fordert eine schöne Fassade und einen „städtischen“ Sockel in einem schönen Umfeld, dem Neustadtviertel. Das ist nicht zu viel verlangt. Mit dem richtigen Architekturbüro wäre dieses Projekt schon beim ersten, vielleicht zweiten Anlauf durchgekommen. Ganz sicher. Der Auftraggeber hätte sich sehr viel Zeit, Zores und Geld erspart. 


Die städtische GWG will in Urfahr, in der Leonfeldnerstraße ein kleines Hochhaus bauen. Wieder braucht es einen neuen Bebauungsplan (der bestehende ist 45 Jahre alt), der nur für dieses Projekt erstellt werden soll. Anstatt einen Wettbewerb (immerhin ist die GWG eine öffentliche Wohnbaugenossenschaft) zu starten, wir eine „Gutachterverfahren“ oder „architektonische Ideenfindung“ gemacht. Schön billig, schön intransparent. Die Szene munkelt schon damals, dass „es sowieso Ortner und Ortner werden“. So kommt es auch. Im Pseudo-Wettbewerb werden Höhen von 6 bis 11 Geschosse vorgeschlagen, die Stadtplanung ist nicht involviert. („Welche durch die Stadt freigegebenen Vorgaben für die Teilnehmer herangezogen wurden, entzieht sich der Stadtplanung“). Ist offenbar auch nicht nötig. Denn wenn der Planungsstadtrat gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der GWG ist, ist eh alles in Personalunion. Da flutscht es. www.gwg-linz.at/ueber-uns/  

Und zu Ortner und Ortner: Der große Name rettet das Wohnhochhaus auch nicht. Die Tiefgarage und Einfahrt (für nur 11 PKWs) zerstört den ganzen Grünbereich, von Seiten der GWG fehlt der Mut auf die Garage komplett zu verzichten und so vorbildhaft Klimaziele konkret umzusetzen. Die Architektur: Viel bleibt nicht übrig beim oberösterreichischen Korsett des gemeinnützigen Wohnbaus. Die dümmlichen „Wege zur Wirtschaftlichkeit 2021“ zwingen zu wenig Fensterfläche, Beton und Vollwärmeschutz, weißen Kunststofffenstern und Raumhöhen von max. 2,59 Meter. Zurück in die Vergangenheit. Entwicklung und Forschung im Wohnbau ist so nicht möglich. Dafür kann die GWG aber nichts. 


Für die mickrige, teure und zerstörerische Garage wären übrigens Quartiersgaragen die Lösung. Doch dafür müsste die Stadt in den Lead gehen. Träum weiter. www.linzplus.at/post/quartiersgarage-froschberg oder meine Anfrage dazu beim Kapuzinerquartier: www.linz.at/Politik/GRSitzungen/GrSitzungen/GetAnfrageAntrag?AnfrageAntragId=1157 


In der Knabenseminarstrasse wird „nachverdichtet“. Fast das ganze Grundstück wird für die Tiefgarage (8 Wohnungen, 11 Stellplätze) zubetoniert. Zur Tarnung werden riesige Bäume in den Plänen eingezeichnet, die aber blöderweise auf dem Beton stehen, wo sie nie wachsen werden. Das ist schwer erträglich. Zu Beginn hätte das Projekt nur in der Planungsvisite abgehandelt werden sollen. Ein bischen besser und kleiner ist es geworden, doch mehr als etwas Schadensbegrenzung ist es nicht: www.linzplus.at/post/tatort-knabenseminarstrasse


Die Scharitzerstraße ist beim 3. oder 4. Versuch durch. Aus der ursprünglichen Forderung des Beirats, das Zinshaus stehen zu lassen und aufzustocken ist nichts geworden. Nur mehr die Fassade bleibt erhalten. Dahinter wird neu gebaut. Das ist nur ein optischer „Erfolg“, den es geht an der Essenz – Ressourcen zu sparen, komplett vorbei. Es wird wohl Nachahmer finden. Statt Büros und Wohnungen wird es jetzt übrigens ein „boutiqueartiges“ Hostel. 

Architektonisch stellt sich vor allem – wie so oft – die Frage ob die versprochenen Qualitäten, eine recht expressionistische, eigenwillige Fassade des 'Aufbaus' (die mit verzinktem Blech überzogen werden soll) auch so umgesetzt wird. Denn blieben die Pläne dazu abstrakt und zweitens genügt ein Eigentümerwechsel und schon sieht wieder alles anders aus. 


Auch bei einem Projekt am Flötzerweg soll das ganze Grundstück mit einer Tiefgarage (21 Stellplätze, nur 15 sind vorgeschrieben) zubetoniert werden. In der Pause rede ich mit dem grundsätzlich offenen Architekten, den ich kenne. Er gesteht mir, keinen Kontakt zum Bauherren zu haben, weiß aber, dass dieser nur das Maximum will um das eingereichte Projekt dann zu verkaufen. Dabei kann in kürzester Zeit mit dem geringsten Aufwand der größte Schnitt gemacht werden. Der Beirat fordert zwar eine Wiedervorlage, doch die Tiefgarage (und Einfahrt mitten im Grundstück) bleibt. Wieder ein Anti-Klimahauptstadtprojekt „auf Schiene“. Ein großer, gesunder Baum am Grundstück muss deshalb gefällt werden. Der Architekt hätte - laut eigener Aussage - gerne Limits und Vorschriften bekommen, die er dem Bauherrn vermitteln kann. 


Fotos und Visualisierungen des Projekts Mozartstraße, beim ehemaligen Hackl-Haus.

Mozartstraße: ehemaliges Hacklhaus und das neue Projekt


Presse: TIPS und RUNDSCHAU berichten. "Das Projekt ist profitgetrieben und überzogen. Städtebaulich macht es keinen Sinn."






Autorin: Lorenz für Linzplus

5.7.2024

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