Kümmern statt wirkungsloser und teurer Vergrämungsmaßnahmen
- 24. Apr.
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Gestern waren die Linzer Tauben wieder einmal Debatte im Gemeinderat. Angestoßen wurde die Diskussion durch ein von der ÖVP gefordertes „Fütterungsverbot“. „Dieses ist Unsinn ist nicht gut für die Tiere. Gemeinsam mit den Linzer Taubenfreundinnen ist es uns allerdings gelungen, daraus eine konstruktive und fachliche fundierte Auseinandersetzung zu machen“, so Brita Piovesan „der Antrag wurde in Folge zugewiesen und offensichtlich hat seit 2022, als wir bereits Taubenhäuser für Linz gefordert haben, ein größeres Umdenken stattgefunden. Auch bei den Grünen, die damals unseren Antrag noch abgelehnt haben.“

Um die Debatte im Ausschuss noch zu verbessern, haben wir die Einladung zweier Expertinnen in die Ausschusssitzung vorgeschlagen:
Sabine Auer ist Obfrau und Gründerin des Vereins Streunerkatzen OÖ mit Sitz in Linz. Sie gründete den Verein 2006 und engagiert sich seither intensiv im Tierschutz, insbesondere für verwilderte Haustiere und Stadttauben. Sie ist eine praktisch arbeitende Tierschützerin mit langjähriger Erfahrung u.a. mit einem kürzlich eröffneten Taubenschlag in einem Privathaus – genau deshalb wird sie auch regelmäßig als Expertin in Debatten rund um Stadttauben in Linz herangezogen. Ihre Stellungnahme zum Antrag https://www.streunerkatzen.com/geplantes-taubenfuetterungsverbot/
Ebenso Munise Cobet von der Johannes Kepler Universität Linz. Sie hat die Taubenpopulation am TNF-Turm über Jahre beobachtet, Handlungsbedarf erkannt und das Taubenhaus-Projekt initiiert. Sie betreut die Taubenpopulation der JKU seit 5 Jahren, organisiert Helfer:innen und engagiert sich auch finanziell sowie in der Aufklärungsarbeit. So konnte nahezu die gesamte Population vor Ort ins Taubenhaus umgesiedelt werden, wodurch Verschmutzungen im öffentlichen Raum des Viertels seit zwei Jahren kaum mehr auftreten.
"Wir rechnen damit, dass unsere langjährige Forderung nach Linzer Taubenhäusern nun bald umgesetzt werden“, so Piovesan überzeugt, „denn Tauben sind verwilderte Haustiere, Taubenhäuser bieten Schutz und Aufenthaltsbereich, halten sie durch die richtige Ernährung gesund und die Populationen wird durch Eierentnahme gesteuert. Wenn Stadt und Freiwillige gut zusammenarbeiten, haben wir in Kürze kein „Taubenproblem“ mehr und sparen uns nebenbei auch die sehr teuren und oft wirkungslosen Vergrämungsmaßnahmen!“
Hier der Antrag der ÖVP zum Download:
Und die Wortmeldung von Brita Piovesan zum Antrag der ÖVP aus der 28. GR-Sitzung vom 23.4.2026:
"Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Kolleg:innen, liebe Taubenpfleger:innen,
Tauben sind hoch soziale Lebewesen und verwilderte Haustiere - das kann man nicht oft genug sagen. Sie ziehen ihre Jungen gemeinsam auf, produzieren mit der sogenannten Kropfmilch eine einzigartige Nahrung für ihre Küken, bleiben ein Leben lang ihren Partnern treu. Sie können ultraviolettes Licht sehen, über weite Strecken navigieren und sogar mit einer Gehirnhälfte schlafen, um sich zu schützen. Sie sind stark an Menschen gebunden. Wir müssen uns um sie kümmern.
Tauben waren den Menschen bis ins späte 19. Jahrhundert als Fleischquelle so wichtig, dass sogar ein Platz mitten in Linz nach ihnen benannt ist. Bis 1880 fand am Taubenmarkt regelmäßig ein Geflügelmarkt statt! Auch anderweitig waren diese klugen Tiere in Verwendung: Als Brieftauben. Der “Brieftaubendienst” der Schweizer Armee wurde erst 1995 offiziell abgeschafft!
Kurz gesagt: Das sind intelligente, soziale, ortstreue Haustiere, die nicht einfach verschwinden, nur weil man das Füttern verbietet oder ihnen die Brutstätten schließt (so wie das bei der Tabakfabrik gerade passiert und sich die Population ins Viertel ausdehnt, weil sie in ihrem Revier Brutplätze und ein neues Zuhause suchen).
Erst in der ernsthaften Auseinandersetzung mit diesen besonderen Tieren wird sichtbar, wie fundiert das Wissen über sie ist – und dass längst erprobte, erfolgreiche Modelle für ein gutes Zusammenleben mit ihnen existieren.
Linz hat mehrere große, ortsgebundene Taubenpopulationen – etwa auch an der Johannes Kepler Universität. Dort zeigt ein betreutes Taubenhaus, wie es funktioniert: Durch artgerechte Fütterung bleiben die Tiere gesund, der Bestand wird reguliert und die Kosten bleiben überschaubar. Die Tauben brüten gezielt im Taubenhaus, ihre Eier werden durch Attrappen ersetzt und andere Nistplätze unzugänglich gemacht. So bleiben die Tiere an einem Ort, statt sich über Balkone und Plätze zu verteilen – die Population wird stabil und kontrolliert gehalten.
Das ist eine echte langfristige Lösung, die auch bereits in zig andren Städten im deutschen Sprachraum erfolgreich praktiziert wird.
Die Fachperson an der JKU betreut seit über fünf Jahren die Tauben: nahezu alle 120 Tiere vor Ort konnten ins Taubenhaus umgesiedelt werden, wodurch Verschmutzungen im öffentlichen Raum seit zwei Jahren kaum mehr auftreten. Ein klarer Beleg für die Wirksamkeit dieses Modells.
Pro 100 Tauben werden dort etwa 30 kg Kot monatlich gebunden, also gesammelt – das entspricht nur 3,6 kg pro Taube und Jahr im Taubenhaus. Das ist Kot, der nicht im öffentlichen Raum landet.
Umso verwunderlicher ist es, dass unser Antrag auf Taubenhäuser vom Juni 2022 abgelehnt wurde, und auch im heutigen Antrag erwähnt wird, dass Taubenhäuser mit hohem Aufwand und laufenden Kosten abzulehnen seien, während jetzt ein Fütterungsverbot als einfache, billige Lösung verkauft wird.
Tatsächlich ist das Gegenteil richtig: Vergrämungsmaßnahmen in der ganzen Stadt und auf öffentlichen Gebäuden sind teurer und weniger nachhaltig – und dazu zählt auch ein Fütterungsverbot.
In Netze und andere Vergrämungsmaßnahmen fließt sehr viel Geld. Bei der Eisenbahnbrücke etwa rund 300.000 Euro, und jedes beschädigte Netz verursacht laufend neue Kosten.
Taubenhäuser wären dagegen deutlich günstiger und bieten eine Lösung von Grund auf: Dabei könnte die Stadt Orte, Dächer und Material und Taubenschläge, bereitstellen, die Betreuung könnten Ehrenamtliche mit finanzieller Unterstützung für Futter und Zeitaufwand übernehmen. Es gibt ausreichend tierliebende Menschen in Linz, die diese Pflegearbeit gerne übernehmen würden.
Tatsächlich liegen die laufenden Futterkosten laut praktischer Erfahrung für rund 100 Tauben etwa bei 75 Euro pro Monat. Auch die Errichtungskosten eines Taubenhauses sind überschaubar – selbst eine hochwertige Ausführung würde nur 20.000 Euro kosten.
Aber statt engagierte Tierschützer:innen zu unterstützen und ihr Engagement anzuerkennen, werden sie durch das Fütterungsverbot sogar in ihrer Arbeit gehindert.
Dabei geht es gar nicht um „füttern oder nicht füttern“, sondern um die herumliegenden Essensresten, Bioabfälle und ungeeignetes Futter. Genau das verursacht Verschmutzung, zieht weitere Tiere an und macht Tauben krank – ein generelles Fütterungsverbot greift daher zu kurz, weil es die eigentliche Ursache ignoriert.
Wer die Situation wirklich verbessern will, muss beim Abfallmanagement und bei der Aufklärung ansetzen. Ein sinnvoller Kompromiss wäre daher: ein generelles Fütterungsverbot mit klar geregelten Ausnahmen:
Also: Ausnahmegenehmigungen für geschulte, verantwortungsvolle und fachlich kompetente Personen, die artgerecht mit Körnern und Samen füttern – in Mengen, die innerhalb kurzer Zeit vollständig aufgenommen werden, sodass keine Futterreste zurückbleiben. Das empfiehlt auch die Naturkundliche Abteilung.
Diese Personen - vielleicht ausgestattet mit einem Ausweis oder einer Warnweste damit man sie erkennt - übernehmen gleichzeitig Verantwortung für das Tierwohl, indem sie kranke oder verletzte Tiere erkennen, entnehmen und versorgen sowie Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten. Das reduziert auch Konflikte nachhaltig.
Um all das zu diskutieren und gute Lösungen für die Linzer Tauben zu entwickeln, bitten wir um eine Zuweisung in den Ausschuss für Gesundheit und Tierschutz."
Der Antrag wurde in den Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit zugewiesen.
Bereits 2022 hat Linzplus einen Antrag auf ein Taubenhaus eingebracht. Damals wurde dieser leider abgelehnt. Unter anderem auch von den Grünen:
Ein Taubenhaus für Linz:
Mehr dazu auch in unserem Blogeintrag: https://www.linzplus.at/post/taubenhaus

Chips essende Tauben beim Musiktheater Linz - das macht sie krank.
MEDIEN

Krone 24.4.2026

Update 11. Mai 2026
Die Tabakfabrik hat seit langem eine große Taubenpopulation. Jahrzehntelang lebten die Tiere unbehelligt auf den Dächern und in diversen Nischen (wie z.B. in den Technikräumen der Lifte) des Industriegebäudes. Mit dem Ende der Zigarettenproduktion, steigender Belebung und der Sanierung aller Bauteile hat der große Schwarm seinen Lebensraum und die angestammten Brut- und Rückzugsorte verloren.
Da Tauben aber äußerst ortstreu sind, verlassen sie die Gegend nicht, sondern suchen sich neue Unterschlupfmöglichkeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft. Vom Gelände der Tabakfabrik breiten sie sich daher zunehmend ins gesamte Wohngebiet des Kaplanhofviertels aus.
Anstatt auf ein nachhaltiges ‘Taubenmanagement’ zu setzen, wurden Dachböden und Brutstätten einfach mit Blechen verschlossen und versucht, die Tiere so zu verdrängen. Dieses Vorgehen hat mittlerweile Auswirkungen auf das gesamte Umfeld: Balkone werden besetzt, Nester gebaut, Fassaden verschmutzt. Hausverwaltungen bzw. die Anrainer:innen werden dadurch gezwungen, mit Netzen, Spikes und anderen Maßnahmen die Tiere zu vergrämen. Eine echte Lösung für die Ursache findet nicht statt.
Dabei ist die Lösung naheliegend. Ein betreutes Taubenhaus in der Tabakfabrik.
Deshalb machen wir dazu einen Antrag in der Gemeinderatsitzung vom 28. Mai 2026.
Download des PLUS-Antrags:
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Autor:in: Linz+
23.4.2026

















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