10 Jahre heruntergewirtschaftet, jetzt panisch verkauft

Weil Linz komplett pleite ist, wurden die städtischen Anteile am Flughafen verkauft. Um 1,3 Millionen Euro. Linz+ lehnt diesen Notverkauf kategorisch ab. Aus drei Gründen, die im Gemeinderat letzten Donnerstag von Lorenz Potocnik erklärt wurden. „Jahrelang wurde am Linzer Flughafen zugeschaut, verschlafen und ausgesessen. Jetzt, wo der Stadt das Geld fehlt, wurde das Ergebnis dieses …

Weil Linz komplett pleite ist, wurden die städtischen Anteile am Flughafen verkauft. Um 1,3 Millionen Euro. Linz+ lehnt diesen Notverkauf kategorisch ab. Aus drei Gründen, die im Gemeinderat letzten Donnerstag von Lorenz Potocnik erklärt wurden.

„Jahrelang wurde am Linzer Flughafen zugeschaut, verschlafen und ausgesessen. Jetzt, wo der Stadt das Geld fehlt, wurde das Ergebnis dieses Versagens als Notverkauf durch den Gemeinderat gepeitscht. Erst zehn Jahre nichts tun und dann das öffentliche Eigentum verkaufen – das ist keine Flughafenstrategie.“

„Zehn Jahre verschlafen, jetzt schnell verkaufen und danach keine Garantie, was mit dem Flughafen passiert: So darf man mit wertvollem öffentlichem Eigentum nicht umgehen.“

Hier seine Wortmeldung aus der 41. Gemeinderatssitzung am 24.9.2026 zum Punkt:
E3. Verkauf des 50-Prozent-Anteils der Unternehmensgruppe der Stadt Linz Holding GmbH an der Flughafen Linz GesmbH an die OÖ Verkehrsholding  GmbH Berichterstatter: StR Thomas Gegenhuber :

„Sehr geehrte Kollegen,
Sehr geehrter Hr Bürgermeister

Dieser Notverkauf ist das vorläufige Ende eines großen, jahrelangen Versagens der Eigentümerinnen, dem Land OÖ und der Stadt Linz. 

Bereits vor 10 Jahren war diese Entwicklung vorhersehbar, wurde immer wieder publik und öffentlich diskutiert, auch angestoßen durch mich. Ich habe bereits 2017 vehement einen strategischen Prozess, personellen Neustart sowie eine externe Airport-Taskforce gefordert.  

Jahrelang wurde einfach fast alles verschlafen, politisch besetzte, träge Manager sind in Ruhe in Pension geglitten und immer wieder wurden die mageren Gewinne für Sponsoring politnaher Organisationen herausgesaugt anstatt damit für den Flughafen zu arbeiten. 

Erst letztes Jahr, als plötzlich ein Zuschuss nötig war, wurde reagiert. Viel zu spät natürlich. Abgesehen davon, dass es Regionalflughäfen europaweit schwer haben, beim Linzer Flughafen ist es ganz besonders schlecht gelaufen.

Dieser hausgemachte Niedergang wäre schon Grund genug, bei diesem Notverkauf dagegen zu stimmen. Denn der Verkauf beendet nur unser städtisches Problem, beantwortet aber nicht die Frage nach der Verantwortung für die vergangenen zehn Jahre. 

Es gibt aber noch zwei weitere Gründe dagegen zu stimmen. So wie die US-Justiz gleich mehrmals lebenslänglich verurteilt, stimmen wir dreimal dagegen.

Der zweite Grund – und das ist schon ein dauerndes Problem im Linzer Gemeinderat – sind die mangelhaften Unterlagen und die dürftige Kommunikation. Eine strategische Entscheidung dieser Größenordnung braucht vorher politische Information und Diskussion, eben eine strategische Debatte. Mit dem gesamten Gemeinderat. 

Doch der Verkauf dieser wichtigen Infrastruktur wurde nicht einmal in einem Ausschuss diskutiert, die Untersuchung von KPMG nie präsentiert. Der Gemeinderat hat nicht einmal die gesamte Untersuchung von KPMG, sondern nur einen Exzerpt bekommen. Hier geht es nicht um irgendeinen Vermögenswert. Die Stadt gibt ihre 50-Prozent-Beteiligung an einer wesentlichen Verkehrsinfrastruktur vollständig ab. 

Wir sind nicht bereit, unser städtisches Vermögen ohne vorgelagerter politischer und strategische Debatte zu beschließen und sehen hier auch ein Transparenzproblem. Denn aktuell wissen wir nicht einmal welche Grundstücke, Gebäude, Hallen und sonstigen Immobilienwerte sich im Eigentum der Flughafen Linz GesmbH befinden, welche davon vermietet sind, welche jährlichen Erträge damit erzielt werden und mit welchen Verkehrswerten diese Vermögenswerte im KPMG-Gutachten angesetzt wurden. 

D.h. dass heute der GR den Verkauf von 50 Prozent dieses Unternehmens entscheiden soll, aber nicht das vollständige Gutachten samt Liegenschafts- und Vermögensbewertung zur Verfügung steht. Das mag den roten, blauen und schwarzen Gemeinderäten genügen, uns genügt es nicht.

Der dritte Grund: Was ist der Plan für den Flughafen nach dem Verkauf? 

Wir wissen nicht, was danach kommt. Uns wird erklärt, warum die Stadt aussteigen soll. Aber damit ist noch lange nicht beantwortet, wie die langfristige Strategie für den Flughafen aussieht.

Die Vorlage argumentiert damit, dass das Land anschließend autonom neue Unternehmenskonzepte entwickeln und Allianzen mit neuen Stake- oder Shareholdern eingehen kann. Der Vertrag rechnet einen späteren Einstieg privater Investoren sogar ausdrücklich mit ein: Für Verkäufe, Kapitalerhöhungen oder wirtschaftlich gleichwertige Beteiligungseinstiege bis Ende 2031 gibt es eine Earn-out-Regelung. 

Damit stellt sich für mich eine konkrete strategische Frage: Welche verbindliche Absicherung gibt es für die langfristige Entwicklung des Flughafens und seiner Infrastruktur? Die Earn-out-Klausel schützt nur einen Teil des wirtschaftlichen Interesses der Stadt bei einem späteren Investoreneinstieg; sie ist aber nicht dasselbe wie eine langfristige Standort-, Eigentums- oder Entwicklungsgarantie. Zudem läuft der Earn-out degressiv aus und entfällt ab 2032. Aber was ist danach, also in nur 4 Jahren? Was passiert mit unserem öffentlichen Eigentum? Welche Teile des Flughafens müssen/sollten aus strategischer Sicht dauerhaft in öffentlicher Hand bleiben? Was verhindert eine spätere Filetierung wirtschaftlich interessanter Bereiche? Was passiert mit den vielen Gewerbe und Logistikflächen? Gibt es irgendeine langfristige Garantie, was mit dem Flughafen und allen Werten passiert? Gibt es überhaupt eine Garantie, dass dieser saniert wird? 

Zusammenfassend

Die entscheidenden Fragen sind nicht nur, ob 1,325 Millionen Euro rechnerisch ein vertretbarer Kaufpreis sind. Die Fragen sind: Warum wurde eine derart grundlegende strategische Entscheidung nicht frühzeitig und transparent politisch diskutiert? Welche verbindliche Strategie und welche Garantien gibt es für den Flughafen nach dem vollständigen Rückzug der Stadt? Und wie wird aufgearbeitet, warum trotz jahrelang erkennbarer Probleme keine rechtzeitige strategische Neuausrichtung erfolgt ist und wir nun – weil wir pleite sind – einen Notverkauf durchziehen?

Gegenstimme.“

Mehr zum Flughafen:

Bereits vor 10 Jahren war diese Entwicklung vorhersehbar, wurde immer wieder publik und öffentlich diskutiert, auch angestoßen durch Lorenz. Er habe bereits 2017 vehement einen strategischen Prozess, personellen Neustart sowie eine externe Airport-Taskforce gefordert. Mehr dazu:

Flughafen Linz im Sinkflug seit 10 Jahren – Wo bleibt die Strategie?

Brita Piovesan

Brita Piovesan