Bereits vor 10 Jahren wollte Lorenz Potocnik die überbreite Dinghoferstrasse stellenweise einer Schlankheitskur unterziehen. Das Ziel: Mehr Lebensraum in der Innenstadt. Denn viele Straßen in Linz haben überbreite Spuren, Platz den es für den Autoverkehr gar nicht braucht und der bei den Gehsteigen, für Bäume und für Radwege fehlt. Das Projekt in der Dinghoferstrasse, vor …
Bereits vor 10 Jahren wollte Lorenz Potocnik die überbreite Dinghoferstrasse stellenweise einer Schlankheitskur unterziehen. Das Ziel: Mehr Lebensraum in der Innenstadt. Denn viele Straßen in Linz haben überbreite Spuren, Platz den es für den Autoverkehr gar nicht braucht und der bei den Gehsteigen, für Bäume und für Radwege fehlt. Das Projekt in der Dinghoferstrasse, vor der Ärztekammer, war weit gediegen. Zu einer Umsetzung kam es nicht. Obwohl sich die Ärztekammer bei der Finanzierung beteiligt hätte. „Jetzt, wo die Baulücke am Ecke bei der Harrachstraße neu bebaut werden soll, ist eine sehr gute Gelegenheit, diese Idee wieder herauszuholen und umzusetzen“, so Lorenz Potocnik.
Das war die Presseaussendung vom 29. Februar 2016: Die Linzer Innenstadt ist voll von viel zu breit dimensionierten Straßen. Die Fahrbahn der Dinghoferstraße etwa misst stellenweise neun Meter Breite, obwohl nur zwei Fahrspuren vorhanden sind. „Diesen Platz kann man weit sinnvoller nutzen, ohne den Autoverkehr einzuschränken“, sagt Stadtentwickler Lorenz Potocnik. Er fordert, den Abschnitt zwischen Mozart- und Harrachstraße eine Schlankheitskur zu verpassen. Der neu gewonnene Platz soll für Fußgänger, Bäume aber auch punktuell für Kurzparker genutzt werden.
Die Dinghoferstraße ist ein typisches Beispiel für die enorme Platzverschwendung vieler Linzer Straßen: sehr schmale Gehsteige, aber überbreite Fahrbahnen und keine Fahrradspuren. Potocnik: „Manche Fahrbahnen sind bis zu neun Meter breit, obwohl schon sechs Meter für zwei Spuren überdimensioniert sind.“ Drei Meter davon könne man also vielerorts besser nutzen, so Potocnik. Autoverkehr und Öffis würden dabei nicht eingeschränkt werden. Bei der Dinghoferstraße (Bereich Ärztekammer) brächte mehr Sicherheit und Lebensqualität, einen klareren Verkehrsfluss, sichere breite Gehwege, kürzere und besser einsehbare Querungsmöglichkeit für Fußgänger bei der Harrachstraße und der Mozartstraße, Baumpflanzungen sowie bisher fehlende Gästeparkplätze für die Ärztekammer. Potocnik: „In Summe eine absolute Win-win-Situation sowohl für alle BewohnerInnen als auch VerkehrsteilnehmerInnen.“
Ärztekammer unterstützt Pläne
Die Idee stieß auch bei der Ärztekammer auf großen Anklang, dort unterstützt man das Projekt und würde auch einen finanziellen Beitrag leisten. Die Kosten blieben überschaubar und beliefen sich auf ca. 75.000 Euro. Weitere Straßen könnten folgen, denn dieser Abschnitt eignet sich als Prototyp zur Optimierung vieler weiterer überbreiter Straßenquerschnitte. Potocnik: „Die Lebensqualität der Stadt könnte dadurch schrittweise verbessert werden – zu vertretbaren Kosten. Geben wir endlich der Bevölkerung ihre Stadt zurück!“
Bei Schneefall ist besonders gut zu sehen, wieviel Platz verschwendet wird.
In der Dinghoferstraße sind die Spuren überbreit, der Gehsteig kann erweitert werden.
Die Fotos darunter zeigen den Zustand 2016. Das Eckhaus Harrachstraße (Flamingobar) steht noch.
Ein gutes Beispiel aus New York City: Am Union Square in Manhattan wurde mit geringen Mitteln das Layout der Straße (öffentlicher Raum!) verändert. Diese Road Diet schafft Platz für Aufenthalt, Lebensqualität, Bäume und Radwege.
Untern: 2 Pläne die in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer 2016 entstanden sind. Der Gehsteig ist um vieles breiter, die Querung der Dinghoferstraße (wichtige Ost-West Fußgänger- und Fahrrad-Achse) erleichtert. Im Zuge der Baustelle Ecke Harrachstraße/ Dinghoferstraße bietet sich wieder die Gelegenheit diesen Plan umzusetzen!
Der damalige Antrag (gemeinsam mit der FPÖ): „Der Gemeinderat der Stadt Linz beschließe, der zuständige Referent habe zu besorgen, dass der Straßenquerschnitt der Dinghoferstraße im Abschnitt Mozartstraße bis Harrachstraße im obigen Sinn optimieren wird. Hierzu soll auf der Seite der Ärztekammer der Gehweg um rund drei Meter verbreitert und neu gestaltet werden. U.a. sollen Bäume gepflanzt und zwei bis drei Gästeparkplätze geschaffen sowie insgesamt der Straßenabschnitt attraktiviert werden, ohne die Leistungsfähigkeit des MIV zu schmälern.“
Das Wortprotokoll vom 3.3.2016: www.linz.at/Politik/GRSitzungen/GPSearch/ResultDetail?TopId=1505
Road Diet Dinghoferstraße, Berichterstatter Lorenz Potocnik:
„In Wirklichkeit ist die Situation ganz einfach, in Linz gibt es dutzende, wenn nicht hunderte Straßenquerschnitte, die zu breite Fahrbahnen haben und wo Fläche verschwendet wird. Einer dieser Abschnitte ist in der Dinghoferstraße zwischen Mozartstraße und Harrachstraße vor der Ärztekammer. Dort befinden sich derzeit zwei Fahrspuren. Der Straßenquerschnitt für die Autos hat insgesamt über neun Meter Breite. Das heißt, es ist vollkommen klar, dass das nicht nötig ist. Eine normale Fahrspur ist zweieinhalb, maximal drei Meter breit.
Wir schlagen als Versuch vor, diesen Straßenquerschnitt zu optimieren, also aus dieser Fläche mehr herauszuholen, sprich, drei Meter von der unnötigen Fahrbahn abzuzwacken und den Gehweg zu verbreitern, Bäume zu pflanzen und ein, zwei Gästeparkplätze für die Ärztekammer bzw. einen Zulieferungsparkplatz zu machen.
Bei diesem Projekt und vielleicht bei späteren, die folgen könnten, ist es ganz wichtig, dass der motorisierte Individualverkehr, sprich der Autoverkehr in keinster Weise beeinträchtigt wird. Das ist bei diesem Projekt oder bei anderen vielleicht kommenden Projekten nicht unser Ziel. Es geht um die Optimierung der Straßenquerschnitte. Das Schöne ist – ich komme schon zu den Kosten -, es ist nicht so wahnsinnig teuer. Diese hundert Meter kosten geschätzte 75.000 Euro. Die Ärztekammer ist bereit – das habe ich im Vorfeld geklärt -, sich finanziell durchaus beträchtlich mit ca. einem Drittel zu beteiligen. Ich denke, das erleichtert vielleicht die Entscheidungsfindung.
In Linz gibt es ein riesiges Potential an solchen Straßenquerschnitten. Ich denke, für die Lebensqualität, für die Sicherheit und für das Lebensgefühl in dieser Stadt wäre es ganz wichtig, einen Prototypen, einen Pilot zu machen. Das kann sich dann jeder anschauen. Dann merkt man, dass es gar nicht so schlimm ist. Dann könnten wir in diese Richtung weitermachen.
Der Gemeinderat beschließe:
,Der Gemeinderat der Stadt Linz beschließe, der zuständige Referent habe zu besorgen, dass der Straßenquerschnitt der Dinghoferstraße im Abschnitt Mozartstraße bis Harrachstraße im obigen Sinn optimieren wird. Hierzu soll auf der Seite der Ärztekammer der Gehweg um rund drei Meter verbreitert und neu gestaltet werden. Unter anderem sollen Bäume gepflanzt und zwei bis drei Gästeparkplätze geschaffen sowie insgesamt der Straßenabschnitt attraktiviert werden, ohne die Leistungsfähigkeit des mobilen Individualverkehrs zu schmälern.
Bedeckungsvorschlag: Die Kosten des Umbaus belaufen sich auf zirka 75.000 Euro. Die Ärztekammer ist bereit, einen Beitrag zu leisten. Die Bedeckung der übrigen Kosten soll durch Umschichtung im laufenden Budget bzw. durch Bedeckung in den Folgejahren entstehen.‘
Ich bitte um Zustimmung.“
Schlussplädoyer:
„Offensichtlich gibt es einen Konsens für eine Zuweisung, das ist gut. Ich bitte um ein möglichst rasches Bearbeiten. Ich glaube, es wäre wunderbar, wenn so ein Projekt noch vor dem Sommer zu einer Umsetzung käme.
Zu den Bedenken bei den privaten Parkplätzen: Das sind Parkplätze für alle möglichen. Es ist nicht so, dass die Ärztekammer auf uns zugekommen wäre, sondern wir sind mit dieser Idee zur Ärztekammer gegangen. Das sind einmal Vorschläge. Das ganze Projekt hat in Wirklichkeit Vorteile auf verschiedensten Ebenen. Von der Querung, der Sicherheit, der Flüssigkeit im Verkehr, Übersichtlichkeit, Begrünung, Ausfahrt Harrachstraße in die Dinghoferstraße, Ausfahrt aus der Garage vom Hof. Das hat ganz viele Vorteile. Diese Parkplätze sind in Wirklichkeit ein Detail. Das ist sozusagen ein möglicher Vorteil. Ich hoffe, dass dieses Projekt zu einem positiven Ende kommt.“
Abstimmungsergebnis
Der Antrag wurde einstimmig dem Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung und Wohnbau zugewiesen.
Medienberichte:
Bericht Bezirksrundschau Linz: Road Diet: So könnte Verkehrsberuhigung im Neustadtviertel aussehen – Linz
K17. Road Diet Dametzstraße (Gemeinderatssitzung am 21.4.2016): www.linz.at/Politik/GRSitzungen/GPSearch/ResultDetail?TopId=1560



