Über 20 Jahre lang haben die Linzer Alltagsradler:innen auf einen sicheren und nebenbei StVO-konformen Radweg auf der Nibelungenbrücke gehofft. Immer wieder wurden Sie vertröstet. Projekte der Brückenverbreiterung wurden gewälzt und wegen hoher Kosten wieder verworfen. Zum Glück, denn wozu Millionen verbraten für minimale Verbreiterungen, wenn eh genug Platz da ist und eigentlich die Kreuzungen das …
Über 20 Jahre lang haben die Linzer Alltagsradler:innen auf einen sicheren und nebenbei StVO-konformen Radweg auf der Nibelungenbrücke gehofft. Immer wieder wurden Sie vertröstet. Projekte der Brückenverbreiterung wurden gewälzt und wegen hoher Kosten wieder verworfen. Zum Glück, denn wozu Millionen verbraten für minimale Verbreiterungen, wenn eh genug Platz da ist und eigentlich die Kreuzungen das Problem sind? Nur um den Konflikt mit den PKWs zu vermeiden?
Anfang April 2025 kam dann endlich ein erster, deutlicher Schritt in die richtige Richtung: Von der Fahrbahn wurde jeweils eine Spur für einen Radweg inklusive schützender Absperrung genutzt und so die jahrelang versprochene Sicherheit hergestellt. Der simple Deal: Neue Westringbrücke für die Autos, Nibelungenbrücke entlasten und Platz für Radler und Fußgänger;innen schaffen. Doch nur eine Woche nach der Eröffnung wurde die Testphase bereits abgebrochen. Offiziell wegen der „Sicherheit der PKWs, LKWs und Straßenbahn.“ Das super wichtige Mini-Projekt ist damit schon im Ansatz gescheitert, das Versprechen gebrochen. Warum? Was sind die wirklichen Ursachen?

Nur 300 Meter ist die Brücke lang. Doch das Nadelöhr ist entscheidend für eine sichere Radmobilität. Denn rund 1.000.000 Alltagsradler:innen queren jährlich.
Kurzer Blick in die Geschichte:
Ein erster Versuch – damals unter Verkehrsreferent Markus Hein (FPÖ) war schon nach wenigen Stunden Geschichte. Ein Missverständnis und Missgeschick bei der Verkehrsregelung auf der Linzer Seite (Auffahrt Richtung Urfahr) führte zum panischen Abbruch. Nibelungenbrücke: Wer war wirklich schuld am Stau-Chaos in der Linzer Innenstadt? – Linz
Dann wurde eine echte Radspur mit der neuen, 300 Mio. € teuren Hängebrücke verknüpft. Es wurde versprochen, ‘wenn diese fertig ist, dann ist es soweit’ . Die Nibelungenbrücke würde dann ‚entlastet‘, weil die Auto-Pendler aus dem Mühlviertel die neue Donautalbrücke verwenden würden. Doch die Eröffnung fiel in den überraschenden Bürgermeisterwahlkampf Herbst 2024, die Radwege auf der Nibelungenbrücke wurden in Folge aus taktischen Gründen erneut verschoben.
Vor ein paar Wochen (7.4.2025) war es dann soweit. Die Radwege wurden endlich realisiert. Endlich konnten rund eine Million Alltagsradler:innen ohne Angst um ihr Leben die Brücke queren, ohne Angst, von der hohen Stufe zu fallen oder unabsichtlich gestoßen und von einem LKW erfasst zu werden.
Durch die neuen Ampeln und etwas weniger Spielräume kam es zu Stau. Die Emotionen kochten hoch. Zu viele Medien berichteten und kampagnisierten leider gegen den Radweg, als sei dieser Schuld an der Misere. Aufgeklärt, ich meine zu erklären, warum dieser Radweg so wichtig ist, das haben sie kaum. Stattdessen gab es Berichte, dass der Weg von Puchenau kommend über die Westringbrücke doch tatsächlich 1,5 km (5,5 statt 4) länger als über die Nibelungenbrücke ist. Wahnsinn.
https://www.linzplus.at/post/alltagsradeln www.linzplus.at/stadtmobilität
Währenddessen ließ die Linzer Stadtspitze Mobilitätsreferent Hajart (als sei nur er verantwortlich) im Shitstorm alleine stehen. Prammer und Schobesberger übten sich während der heißen und entscheidenden Phase der letzten Wochen in vornehmer Zurückhaltung. Anstatt geschlossen und entschlossen für eine Neuverteilung des Platzes zu kämpfen, duckten sie sich weg oder lenkten sogar mit der Uralt-Idee einer Rad- und Fußgängerbrücke auf Höhe des Brucknerhauses/ Wildbergstraße ab. Einfach nur kontraproduktiv. Denn diese Brücke kann den Radweg auf der Nibelungenbrücke keinesfalls ersetzen. Diese Brücke genau in der heißen Phase der öffentlichen Debatte zur Platzverteilung auf der Nibelungenbrücke einzubringen grenzt an Sabotage.
Das Mini-Projekt, in Wirklichkeit aber ein entscheidendes Puzzlestück in einem zukünftigen Radwegschnellnetz, wurde nach nur einer Woche (!) abgewürgt. Geplant und beschlossen war, bis Ende 2026 zu testen und Erfahrungen zu sammeln. Der Abbruch ist wirklich lächerlich, kurzsichtig, traurig und enttäuschend. Vor allem, weil die größte Aufregung bereits vorbei war.
Auch raubt das hastige Ende jedes Vertrauen: Wenn so ein Micky-Maus-Projekt schon scheitert, wie soll dann eine zukunftsfitte Mobilität für Linz und dem gesamten Ballungsraum gelingen?



Bereits wenige Tage nach Eröffnung ging das meiste ruhig über die Bühne.
Das wichtige Projekt der sicheren Radstreifen auf Nibelungenbrücke (eigentlich mini) ist krachend gescheitert. Warum? Was sind die wirklichen Ursachen?



Die volle Straßenbahn am Bild fasst 156 Passagiere. Das entspricht einer Autoschlange von 1,3 km.
Oder: Während die ganze Nibelungenbrücke (300 Meter lang) mit 130 PKWs (156 Köpfe) verstopft ist, fährt zu Spitzenzeiten alle paar Minuten eine Straßenbahn mit genau der selben Menge an Menschen über die Brücke.
Mehr Autos gehen aber in Linz nicht mehr, denn das „Gefäß Stadt“ ist bereits voll und wird nicht größer. Einzige Lösung ist und bleibt eine Kombination aus leistungsfähigem ÖPNV im ganzen Ballungsraum mit P&R an den Stadträndern sowie Radschnellwege, sternförmig in alle Himmelsrichtungen.
Autobahnzubringer wie der Westring machen dagegen die Sache nur schlimmer. Sie bilden einen falschen Anreiz und karren die PKWs noch schneller in die Stadt, wo es nicht mehr Platz gibt. Das führt zu Stau, was unserem Wirtschaftsstandort schadet.

GR_Antrag_Resolution_PR_Ring_Linz.pdf
(PDF, 735 KB)



Facebook-Post Martin Hajart vom 15.4.2025 und die Reaktionen darauf.

Mehr PLUS-Info:
25.4.2025: Notmaßnahme: 30er auf der Nibelungenbrücke
Medienberichte:
15.4.2025, Linz.at: Radweg-Provisorium auf der Nibelungenbrücke flussaufwärts wird beendet
15.4.2025, Tips.at: Aus für zusätzlichen Radweg auf der Nibelungenbrücke
15.4.2025, DerStandard.at: Einer der beiden neuen Radwege auf Linzer Nibelungenbrücke wird gestrichen
15.4.2025, ORF.at: Nibelungenbrücke: Aus für einen Radstreifen
16.4.2025, Bezirksrundschau: Prammer will Radweg auf Nibelungenbrücke jetzt zur „Chefsache“ machen
16.4.2025, Krone.at: Linz-Vize will Brücke für Radfahrer verbreitern
16.4.2025, Kurier

Historische Aufnahmen aus den 1940er und 1960er Jahren. Früher gab es selbstverständlich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Diese wurden verdrängt.
So testet Amsterdam (über 50% der städtischen Wege werden mit dem Rad zurückgelegt, das ist mit ein Grund, warum diese Stadt so attraktiv ist und wirtschaftlich gut dasteht) den Platzbedarf einer neuen Brücke https://www.facebook.com/share/1KbDxmPzLt/
„ How do you test a cycling bridge that hasn’t been built yet? Last week, the Gemeente Amsterdam did just that! They tested two possible layouts for the future Oostbrug—the first bike and pedestrian bridge over the IJ. With a 12m-wide deck, the trial assessed safety, comfort, and flow for all users, from walkers to e-minicars.“

+++ Petition: 40 Jahre warten sind genug! +++ https://openpetition.eu/!wpsyd
Die Linzer*innen – 1.000.000 queren die Nibelungenbrücke jährlich mit dem Fahrrad – haben einen sicheren und StVO-konformen Radweg und mehr Platz für Fußgänger*innen auf der Nibelungenbrücke verdient! Bitte zahlreich diese wichtige Petition der Radlobby Linz unterschreiben!!!
Sammlung schwerer Radunfälle auf der gefährlichen Nibelungenbrücke:

11-8.2008, OÖN

10.11.2015, OÖN

10.11.2015, Krone



Facebook-Post Lorenz Potocnik vom 21.4.2025: “ Das ist Johannes Walchshofer.

Ich habe ihn gestern im UKH besucht, wo er nach einem schweren Sturz auf der Nibelungenbrücke letzte Woche operiert wurde. Er ist letztes Wochenende von einem unachtsamen Fußgänger (am viel zu schmalen Radweg) so „touchiert“ worden, dass er die hohe Stufe hinuntergestürzt ist und sich schwere Verletzungen zugezogen hat. Er kann froh sein, dass der sichere Weg bereits bestand, sonst hätte ihn womöglich ein PKW oder LKW überfahren.
Leider gibt es viel zu viele solcher Stürze auf der Nibelungenbrücke. Warum? Weil Fußgänger und Radfahrer sich zu wenig Platz teilen müssen, weil der „Radweg“ auf dem Gehsteig der Brücke viel zu schmal (85 statt 150 cm und deshalb auch nicht StVO-konform) ist, der Abstand zum Rand zur Fahrbahn und (irre hohen) Stufe nur 26 statt 65 cm beträgt. Ein Sturz über diesen Randstein geht fast nie glimpflich aus.
Darum muss der Schutzweg auf beiden Seiten erhalten bleiben und darf nicht dem kurzsichtigen Populismus geopfert werden. Die Petition dazu hat in zwei Tagen fast 4000 Unterschriften erreicht. Bitte unterzeichne auch du. https://openpetition.eu/!wpsyd
Wenn du andere Personen kennst, die sich auf der Brücke verletzt haben, bitte melden.“
https://www.facebook.com/share/p/16REikfxN7/ ?
Medienberichte:
22.4.2025, Kurier
250422_Kurier_Nibelungenbrücke__Über_4.400_Unterschriften.pdf
(PDF, 493 KB)
April 2025, Krone

24.4.2025, OÖN Gastkommentar von Meinhard Lukas

24.4.2025, DerStandard.at: Radweg auf Linzer Nibelungenbrücke wird entfernt
Mai 2023, Steinkellner und Hajart verkünden die Maßnahmen um die Radmobilität zu stärken Ab 2024: Mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer auf der Linzer Nibelungenbrücke
Ab 2024: Mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer auf der Linzer Nibelungenbrücke
GROSSRAUM LINZ. Landesrat Günther Steinkellner und der Linzer Vizebürgermeister und Verkehrsreferent Martin Hajart gaben am Dienstag einen Einblick, wie der Radverkehr in und um Linz weiter auf Touren gebracht wird. Dabei wurde neben der Realisierung weiterer Radhauptrouten auch verraten, wie es mit der Verbreiterung der Geh- und Radwege auf der Linzer Nibelungenbrücke weitergeht, die durch die neue Westringbrücke ab Herbst 2024 möglich sein wird.“
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Autor:in: Linz+
16.4.2025


