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SOS Landstraße

Vom Bahnhof zum Hauptplatz ist es kein schöner Spaziergang. Das wissen alle, die sich dort regelmäßig zu Fuß oder mit dem Rad bewegen. Da ist nichts mehr schönzureden. Was seit Jahren fehlt ist Pflege, Kümmern und Sauberkeit. Eigentlich wäre das nicht so schwer. Doch es passiert einfach nicht ausreichend. 


In der letzten Gemeinderatssitzung (23.5.2024) und aktuellen Stunde (Thema Belebung der Innenstadt) hat Gemeinderätin Renate Pühringer deshalb dazu gesprochen und die zum Teil unerträglichen Zustände beim Namen genannt. Ihr Verdacht: Die Linzer Stadtsenatsmitglieder und der Bürgermeister sind selten oder nie zu Fuß unterwegs und sehen die Zustände deshalb nicht. Sonst müssten sie sofort handeln und sich kümmern. 


Pühringers Vorschlag: Lasst uns endlich um die vielen kleinen Dinge kümmern. Die Summe macht es dann aus, dass wir uns in unserem gemeinsamen Wohnzimmer (wieder) wohl fühlen.  


„Innovationshauptplatz! Digitalhauptstadt Österreichs! Lebensstadt. Zuletzt: Klimahauptstadt Europas!... Meist wirken diese Selbst-Zuschreibungen auf mich etwas großspurig und realitätsfern. Sicher, Linz hat viel High Tech. Dienstleistung und Industrie sind in Linz zu Hause. Aber beim High Touch, da haperts gewaltig. Und das sieht man u.a. an der Linzer Innenstadt, namentlich der Landstraße sehr deutlich.


Machen wir doch in Gedanken einen Spaziergang durch die Landstraße, die im FPÖ-Antrag zu dieser Aktuellen Stunde sogar als “Herzstück” der Linzer Innenstadt bezeichnet wird: Ankommen tun die geneigten Linz-Besucher:innen an einem Busbahnhof, den man getrost als den dreckigsten in ganz Österreich bezeichnen kann.



Verlassen wir diesen besser schnell in Richtung Volksgarten.

Dort gibt es seit kurzem und auf Initiative von LinzPLUS nun einen ersten inklusiven Spielplatz, der viel Freude bereitet. www.linzplus.at/post/bürgerantrag-inklusiver-spielplatz-in-linz 


Ein paar Schritte weiter aber sieht man weitläufige Stellen, an denen kein Gras wächst und das schon viel zu lange. Jährlich wird der ganze Park monatelang durch den Weihnachtsmarkt okkupiert und derart strapaziert, dass die Reparaturen bis Juli andauern, bevor es im November wieder mit dem Aufbau losgeht. Vor kurzem – nach jahrelangen Forderungen, Gepfusche und Ignoranz – wurden endlich die Bänke bei der Goethekreuzung entfernt und so verlegt, dass die der Durchgang und Wartebereich für tausende Linzerinnen nicht von Drogensüchtigen, Dealern und beängstigenden Gruppen beeinträchtigt ist. Doch eine nachhaltige Sanierung ist auch hier nicht geglückt. Seit drei Monaten liegen die Betonfundamente der entfernten Sitzbänke nackt da. (Ergänzung: Am 29.5. wurden diese mit ein paar Zentimeter Erde einfach zugeschüttet.) www.linzplus.at/post/volksgarten-endlich-handeln 



Vor dem Wettbüro am Volksgarten liegen Zigarettenstummel, Glassplitter, Müll - und das jeden Tag. Dazwischen, und am ganzen Weg vom Bahnhof bis in den Volksgarten) findet man gebrauchte Spritzen. Auf dem weiteren Weg auf der Landstraße sehen wir linker und rechter Hand vor Supermärkten dauerhaft Warenlager auf dem Gehsteig. Das ist nicht nur hässlich, sondern engt den Bereich des Aktivverkehrs ein. Ach ja, seit Monaten stehen (leere) Polizeiautos tagelang dort - das alles scheint egal zu sein.



Auch ein Blick in die Tröge der Kübelbäume zeigt: Seit Jahren unverändert Zigarettenstummel, Erbrochenes, Getränkedosen und Müll aller Art werden dort “entsorgt” und bleiben oft tage- und wochenlang dort liegen. Im Gegensatz zum Hauptplatz werden die Tröge hier nicht so gut gepflegt.



Endlich sind wir an der Kreuzung mit der Bismarckstraße. Hier biegen die Autofahrer ab, die uns - wie IMMER möchte man fast sagen - viel zu schnell und unsanktioniert “begleitet” haben. Der Schillerpark auf der linken Seite: Dreck, Ratten, kein öffentliches WC, Kebab-Buden mit atemberaubenden Hinterseiten. Mehr sag’ ich nicht.

Auffällig auch: Die zum Teil jahrelangen Leerstände in den Geschäftslokalen - wundern einen in Summe nicht mehr. 


Jetzt beginnt die Rüttelstrecke für die Radlfahrer:innen - das Kopfsteinpflaster mit bösen (weil nicht gepflegt) Fugen dazwischen machts möglich! Viele Ideen in den letzten Jahren eingebracht, um das zu verbessern, wurden von den Mehrheitsparteien blockiert. Tenor: „Wir wollen dort eh keine Räder“.


Uff, wir haben es bis zum Martin-Luther-Platz geschafft und stehen nun in der prallen Sonne. Hinsetzen kann man sich dort nirgendwo, weil es keine öffentlichen Sitzbänke gibt. Sie suchen einen Trinkbrunnen? Gibt es dort nicht!


Weiter geht’s. Die laute Mozartkreuzung. Lauter, als sie sein müsste, denn an die 30 km/h-Begrenzung hält sich kaum jemand. Die lauten Geräusche, wenn die Autos zu schnell über die Straßenbahnschienen fahren - tja, ist halt so in Linz. 


Jetzt heißt es durchhalten, denn einen öffentlichen Trinkbrunnen gibt es erst auf der Spittelwiese.

AH! Was für eine Erleichterung, ein paar Schlucke zu trinken! Ausruhen geht aber auch hier nicht, denn Sitzbänke sind auch hier keine zu sehen.


Apropos Erleichterung: Sie wollen sich erleichtern? Geht leider nicht. Bitte durchhalten, denn erst auf der Promenade gibt es ein öffentliches WC! 


Wir sind schon so weit gekommen, jetzt schaffen wir es auch noch über den Taubenmarkt, einen wichtigen Umstiegspunkt des öffentlichen Verkehrs und entsprechend gut gefüllt mit Menschen.

Die quetschen sich auf dem engen Raum zusammen, denn der motorisierte Individualverkehr fordert Durchfahrt auch in den sensibelsten Bereichen der Stadt.


Und dann endlich: Der Hauptplatz liegt vor Ihnen! Allerdings in der prallen Sonne! Aber immerhin: Einen Trinkbrunnen in Nirosta-Ausführung gibt es hier und ein öffentliches WC. Wunderbar!

Allerdings: Falls Sie sich als blinder oder sehbehinderter Mensch bis hierher durchgeschlagen haben: Respekt! Zur Straßenbahnhaltestelle finden Sie nun nicht mehr oder nur sehr schwer, denn ein Blindenleitsystem gibt’s dorthin nicht. Bitte warten.


Der kleine Stadtspaziergang zeigt: Lieblos geht man um, mit Linz. Dabei ist es eine liebenswerte Stadt.


Warum ist das mit der Sauberkeit so schwierig?

Wieso gibt es nicht mehr öffentliche WCs und Sitzbänke?

Warum werden die einfachsten Bedürfnisse wie Durst und Abkühlung nicht gestillt?

Wieso ist es egal, wenn sich einige wenige Kaufleute den öffentlichen Raum einverleiben und wenn die Geschwindigkeit der Autos Lärm und Gefährdung verursachen und die Aufenthaltsqualität beeinträchtigen? Wieso wird das nicht konsequent geahndet?


Es scheint, dass eine im Unterhalt überteure Weihnachtsbeleuchtung fast das einzige bleibt, was für die Besucher:innen der Landstraße installiert wird.


Doch es braucht nicht immer teure, große Konzepte. Gerade die Summe der kleinen Interventionen würde die Landstraße oder auch andere Bereich in der Stadt zu einem Ort machen, an dem man gerne verweilt - und dann auch konsumiert. Hoffentlich trägt diese aktuelle Stunde dazu bei, dass dieses wichtige Kümmern endlich zu einer städtischen Prämisse erhoben wird!


Statement eines Linzer Gewerbetreibenden, in Reaktion auf Renate Pühringers Wortmeldung: „Leider ist die traurige, tägliche Wahrheit. Die Achse Hauptbahnhof, Volksgarten bis hin zum Schillerpark ist wirklich elend. Ich war zuletzt an verschiedenen Tagen da unterwegs und es bietet sich jedes Mal derselbe Eindruck.


Gewalt am und rund um den Bahnhof ist an der Tagesordnung!

Die Leerstände, der traurige Branchenmix, eine zunehmend verarmende Bevölkerungsschicht, Spritzbesteck, Blutlachen derselbigen, Erbrochenes, Müll auf Schritt und Tritt. Diese Wahrnehmung haben alle, die ein Auge auf die Stadt haben und sich regelmäßig in der Innenstadt bewegen.


Die zunehmenden Firmenpleiten im Einzelhandel und der Gastro machen mir Sorgen, denn sie werden bzw. können nicht gleichwertig ersetzt werden. Das ist vor allem in der südlichen Landstraße zwischen Mozart- und Goethekreuzung der Fall. So viele Schließungen in den letzten Wochen im Handel und der Gastro.


Die Innenstadt hat längst an Charme verloren und ist sehr unattraktiv geworden.

Und was tut die Stadt dagegen? Nichts, Schönfärben wie man es leider gewohnt ist. Ich habe sogar den Eindruck, dass sie es gar nicht richtig bemerken. Was macht der Cityring? Nichts, außer einer Kampagne die unter Berücksichtigung der aktuellen Situation nur daneben ist. Die Gewerbetreibenden sollten ihre Eindrücke öffentlich machen. Unverblümt und ehrlich.“


So könnte es auch aussehen: Thaliastraße, 16. Bezirk in Wien.



Autor:innen: Lorenz Potocnik, Renate Pühringer

31.5.2024

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