Linz und Stadtentwicklung: Wo bleibt der Weitblick, wo die Strategie?!
- 29. Apr.
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Aktualisiert: 1. Mai
Ein aktueller Fall zeigt wieder einmal, wie die Linzer Planungsabteilung auch unter der Führung des neuen Linzer Bürgermeisters und Planungsreferenten (seit 2021) auf Wünsche und Zuruf reagiert, anstatt selbst echte Stadtentwicklung im öffentlichen Interesse zu betreiben.

Zwei Jahre planloses Hin- und her beim rund 3.500 m2 großen, strategischen Grundstück in der Goethestraße. Bis vor kurzem war dieses im Besitz der Stadt Linz.
"Schon lange denke ich mir, dass das die große, brachliegende Wiese zwischen KUK, ARGE Trödlerladen und der Turmöl-Tankstelle ein interessantes Grundstück ist." so Stadtentwickler Lorenz Potocnik. Vor ein paar Wochen hat der Gemeinderat es verkauft, an die Linz Strom Gas Wärme GmbH (Linz AG). Um 1,8 Mio. €. Diese baut dort eine unterirdische Anlage für ihr Fernkältenetz. "Doch die Geschichte beginnt viel früher - vor etwa zwei Jahren. Denn im September 2024 landete die Liegenschaft auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Es sollte an die GSA Wohnbauträger GmbH verkauft werden und nach dem 'Linzer Modell' eine Flächenwidmungsänderung, sprich gemeinnütziger und freifinanzierter Wohnbau entstehen."
Linz+ lehnt damals aus gutem Grund ab. Denn das Grundstück ist groß, strategisch wichtig, eine Studie oder Grundlagenforschung von Seiten der Stadt gab es dazu aber nicht. Auch ein Bieterverfahren gab es nicht. Für uns waren viel zu viele wichtige stadtentwicklerische Fragen offen - auch in Zusammenhang mit der kommenden Bahntrasse (Regionalstadtbahn) und dem wachsenden Krankenhaus nebenan, das ständig Flächen braucht.
Bereits im September 2025, also nur ein Jahr später, gab es dann schon den Rückzieher. Druck von außen - konnte man natürlich keinesfalls ahnen - zwingt dazu. Der Flächenwidmungsplan 'muss' schon wieder geändert werden. Die Sonderwidmung 'Sozialer Wohnbau' fliegt wieder raus.
Und nun heute. März 2026, ein halbes Jahr später. Diesmal ist die Linz AG dran und will und wird das wertvolle, stadtplanerisch wichtige Grundstück kaufen. Wieder gibt es keine stadtplanerischen Gedanken dazu. Wieder bekommt der Gemeinderat unzureichende Infos. Tiefbau, Hochbau? Was ist da später noch möglich? Gibt es eine Vorstellung, was neben dem Tiefbau noch entstehen muss oder kann? Warum wird das Grundstück überhaupt verkauft und nicht behalten, der Linz AG Rechte eingeräumt, um dann dort über der unterirdischen Anlage etwas stadtplanerisch Wertvolles zu entwickeln? Alles offen.
"Ganz ehrlich, mir macht es keinen Spaß, hier laufend Kritik an der Stadtplanung zu üben." so Potocnik in der Gemeinderatssitzung von März 2026. "Aber allein dieser Fall ist schon wieder so grotesk, dass ich es hier deutlich sagen muss: Wir arbeiten nicht professionell. Linz muss da besser werden. Wenn nötig, mit externer Hilfe. In konkreten Fall hätte schon vor mehreren Jahren eine stadtplanerische Untersuchung zu dem Grundstück stattfinden müssen. Das Grundstück ist strategisch wichtig und wertvoll. Erkennen Sie das nicht? Hier braucht es eine städtische Vorstellung, was kann und sollte hier passieren? Ein Verkauf an die Linz AG ist nicht der richtige Schritt und blockiert weitere Entwicklungen."
Von uns gab es eine Gegenstimme. ÖVP, SPÖ und FPÖ-Gemeinderäte heben nun zum dritten Mal in zwei Jahren einfach nur brav die Hand. Die Inkompetenz des Gremiums und der Stadtregierungsmitglieder ist erschreckend und der drittgrößten Stadt Österreichs nicht würdig.
Historie:
G4.Grundverkauf in der KG Lustenau (Goethestraße) um den Verkaufspreis in Höhe von 1.800.000 Euro. Die Stadt Linz veräußert an die LINZ STROM GAS WÄRME GmbH das mit dem Grundteilungsplan des Magistrates Linz, GZ.: 43/2025, neu figurierte Grundstück Nr. 803/1, Katastralgemeinde 45204 Lustenau, im Ausmaß von 3.123 Quadratmeter. Der Gesamtkaufpreis wurde mit 1.800.000 Euro vereinbart. Ein entsprechender Antrag wird dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt.
Von uns kam – als einzige – eine Gegenstimme.
„Danke Frau Vizebürgermeisterin, so wie vergangenen September enthalten wir uns hier. Ich verbinde das mit einer Manöverkritik, die ich uns nicht ersparen kann. Dieses Grundstück wurde gerade einmal vor einem Jahr umgewidmet. Schon müssen wir auf Druck von außen und neuen Bedürfnissen erneut Änderungen vollziehen.
Dabei hieß es am 26. September 2024, dass die für die Stadtbahn erforderliche Trasse freigehalten wird und sozialer Wohnbau entstehen soll. Ich habe damals, wie auch die KPÖ, darauf hingewiesen, dass das Grundstück strategisch interessant ist, viel zu viele Fragen offen sind und es eventuell in Zukunft vom Krankenhaus als Reserve benötigt wird.
Auch habe ich betont, dass ich mir bei so einem Verkauf und so einer Flächenwidmungsänderung, ich zitiere ‚von städtischer und stadtplanerischer Seite eine ordentliche Grundlagenforschung‘ erwarte. Die gab es aber nicht, das sieht man heute an diesem schnellen Kurswechsel. Insofern kommt die aktuelle Änderung für mich auch nicht überraschend. Die Umwidmung und der geplante Verkauf dieses strategischen Grundstücks an die GSA Wohnbau waren leicht vorhersehbare städtebauliche Fehler.“
„Danke für das Wort. Für uns sind da auch zu viele Fragen offen. Das Grundstück ist groß, strategisch und interessant, aber der Antrag hat drei, vier Seiten und ist ziemlich lapidar formuliert: Linzer Modell, sozialer Wohnbau, an GSA verkaufen. Das ist uns nicht genug. Wir würden erwarten, dass von städtischer und stadtplanerischer Seite eine ordentliche Grundlagenforschung kommt.
Zum Beispiel braucht vielleicht das Krankenhaus diese Flächen irgendwann einmal. Für uns sind einfach zu viele Fragen offen, auch bezüglich der Art wie die GSA ausgewählt wurde. Ich kann mich Gemeinderat Roth-Schmida nur anschließen. Ich erinnere an die Lenau Terrassen, ich habe mit dem Geschäftsführer höchstpersönlich gesprochen. Er hat mir eine Mappe gezeigt und erklärt, dass das leistbarer Wohnraum werden soll, 7,50 Euro pro Quadratmeter. Kaum war es fertig, ist es an die Erste Bank verkauft worden, ab dann wurde 14 Euro pro Quadratmeter vermietet. Ein verlässlicher Partner ist dieser Wohnbauträger sicher nicht.
Ich sehe schon, dass wir dann die Bebauungsplanung ändern werden, denn momentan ist sie uralt und entspricht wahrscheinlich nicht den Ansprüchen bzw. Wünschen. Das heißt, dass wir den Bebauungsplan wahrscheinlich wieder ändern. Das ist einfach zu wenig. Das ist wirklich zu wenig für so ein wichtiges und großes Grundstück. Eigentlich müsste man dagegen stimmen, aber eine Enthaltung reicht.“
April 2026. Die Linz AG baut eine unterirdische Anlage für ihr Fernkältenetz. Doch was passiert darüber?
Randnotiz zum nicht erfolgten Bieterverfahren 2024.
Dieses wäre bei so einem Grundstück selbstverständlich. Interessanterweise ist die Leiterin des Büros der Stadtregierung Bettina Gumpenberger (seit 2021) Teil des Vorstands genau dieser Gesellschaft. Es ist noch dazu bekannt, dass bei Grundstückvermittlungen Provisionen, oft im fünfstelligen Bereich fließen.
Dazu haben wir im eine Anfrage gemacht. Die sowohl von der Compliance Abteilung der Stadt Linz, als auch vom Bürgermeister nicht beantwortet und als solche abgelehnt wurden.
Download der Anfrage:
Autor:in: Linz+
29.4.2026











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